Ablauf des Angriffs: Zahlen und Fakten
In dem nächtlichen Angriff auf Kiew setzte Russland nach Angaben des Leiters der Kommunikationsabteilung des Kommandos der Luftstreitkräfte, Jurij Ihnat, im Programm КИЇВ24 12 Kh‑22‑Raketen ein. Nach seinen Angaben trafen von diesen 12 Raketen zwei Objekte kritischer Infrastruktur, neun wurden abgeschossen – ein seltener Befund für diese Waffenserie.
Dies war Teil einer größeren Welle: in der Nacht zum 24. Januar wurden in der Ukraine 21 Raketen und 375 Drohnen gestartet. Die Luftverteidigungskräfte schossen 357 Drohnen und 15 Raketen ab. Bei den Angriffen in Kiew wurde eine Person getötet, vier wurden verletzt; in Charkiw wurden 19 Personen verletzt, Wohn‑ und medizinische Einrichtungen beschädigt.
Warum gerade die Kh‑22 — Taktik und Fähigkeiten der Rakete
Die Kh‑22 (und ihre Modifikationen Kh‑32) ist eine sowjetische Entwicklung mit spezifischem Zweck: die Bekämpfung von Flugzeugträgergruppen sowie wichtigen See‑ oder Bodenzielen über große Reichweite. Sie hat eine Gefechtskopfmasse von etwa 950 kg und bewegt sich auf einer der ballistischen Flugbahn ähnlichen Bahn mit einer Geschwindigkeit von ungefähr ca. 4000 km/h. Genau aufgrund dieser Eigenschaften ist sie schwerer abzufangen als ein typischer Marschflugkörper.
Nach Ihnats Angaben verlegten die Angreifer vor dem Schlag Tu‑22M3‑Flugzeuge näher an die Ukraine – auf Flugplätze, die sie üblicherweise nutzen –, was einen derart massierten Start ermöglichte.
„Der Gegner setzte heute gegen Kiew 12 solcher Raketen aus Flugzeugen der strategischen Luftwaffe ein... 12 Raketen gegen die Hauptstadt – das ist ein beispielloser Fall.“
— Jurij Ihnat, Leiter der Kommunikationsabteilung des Kommandos der Luftstreitkräfte
Warum sie schwer abzufangen sind und welche Rolle Partner spielen
Ihnat erklärt den niedrigen Anteil abgeschossener Kh‑22 damit, dass diese Raketen zwar nominell Marschflugkörper sind, aber auf einer schnellen, „subballistischen“ Flugbahn angreifen. Nach offiziellen Einschätzungen sind für ein zuverlässiges Abfangen solcher Ziele moderne Systeme der Klasse Patriot wirksam, die auch während dieses Angriffs eingesetzt wurden.
Wichtig ist die Botschaft an unsere Partner: nicht Erklärungen, sondern reale Luftverteidigungssysteme und operative Lieferungen erhöhen den Schutz von Städten und kritischer Infrastruktur.
Folgen für Zivilbevölkerung und Infrastruktur
In der Hauptstadt sind etwa 6000 Haushalte ohne Strom, in der Oblast Tschernihiw blieben Hunderttausende Anschlussnehmer ohne Licht. Wohnhäuser und Autos wurden beschädigt, in Charkiw wurden medizinische Einrichtungen, darunter eine Entbindungsstation, getroffen. Das ist ein Schlag gegen die Menschen und gegen die Fähigkeit des Staates, grundlegende Dienste zu leisten.
„Das war ein Schlag nicht nur gegen die Ukrainer, sondern auch gegen den Verhandlungstisch – Putins Platz ist nicht im Friedensrat, sondern auf der Anklagebank eines Sondertribunals.“
— Außenministerium der Ukraine
Was das für die Sicherheit bedeutet und was zu erwarten ist
Die Rückkehr zum Einsatz der Kh‑22 zeigt zwei Dinge: erstens ist Russland bereit, selbst seltene und schwere Träger einzusetzen, um psychologischen Druck und Schaden an der Infrastruktur zu erzeugen; zweitens ist es ein Test unserer Fähigkeit, Energieinfrastruktur und Städte zu schützen. Die Lage unterstreicht den offensichtlichen Bedarf an einer Erhöhung der Zahl moderner Luftverteidigungssysteme, der Beschleunigung der Wiederaufbauarbeiten und der Stärkung der Stromversorgungsnetze.
Analysten weisen darauf hin: Wellen von Angriffen auf die Infrastruktur verfolgen oft sowohl taktische als auch politische Ziele – etwa Ressourcen abzuschalten vor kritischen Verhandlungen oder zusätzliche Probleme für den Nachschub zu schaffen. Nun sind die Partner am Zug: Werden internationale Erklärungen in konkrete Lieferungen umgesetzt, die die Verteidigung unserer Städte und der Energieversorgung stärken?
Kurz: 12 Kh‑22 – ein seltener, aber gefährlicher Einsatz; ein großer Teil der Raketen wurde abgeschossen, doch zwei Treffer verursachten erhebliche Schäden an der Infrastruktur. Entscheidend bleibt die Geschwindigkeit bei der Lieferung von Luftabwehrsystemen und beim Wiederaufbau der Energienetze.