Nüchterne Antwort Kiews auf den emotionalen Appell aus Rom
In einer Rede in der Region Abruzzen forderte der stellvertretende Ministerpräsident Italiens, Matteo Salvini, Präsident Wolodymyr Selenskyj auf, „den Frieden zu unterschreiben“, und behauptete, die Ukraine verliere angeblich „den Krieg“. Die russische Aggression reduzierte er in seiner Botschaft faktisch auf eine diplomatische Wahl einer der Konfliktparteien. Das ukrainische Außenministerium reagierte klar und gezielt: Der Sprecher Георгій Тихий riet Salvini, „sich nicht an den Verteidiger, sondern an denjenigen zu wenden, der diesen Krieg entfesselt hat“ — an Wladimir Putin.
„Wir haben Selenskyj gehört, der, nach all dem erhaltenen Geld, den Anstrengungen und der Hilfe, immer noch die Unverfrorenheit hat, sich zu beklagen. Mein Freund, du verlierst den Krieg, du verlierst Menschen, Autorität und Würde: Unterzeichne so schnell wie möglich ein FRIEDENSABKOMMEN. Du wirst dich zwischen Niederlage und völliger Zerschlagung entscheiden müssen.“
— Matteo Salvini, stellvertretender Ministerpräsident Italiens
„Sie haben nicht ‚zwischen Niederlage und völliger Zerschlagung‘ gewählt... Sie haben Seite an Seite mit anderen Verbündeten gekämpft, weil auf dem Spiel die Freiheit Italiens und ganz Europas stand.“
— Георгій Тихий, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums
Das Außenministerium lieferte als Antwort historischen Kontext: Zwischen 3.000 und 5.000 Ukrainer hätten an der Schlacht um Monte Cassino teilgenommen — ein Symbol des Kampfes um die Freiheit Europas vor 80 Jahren. Der Sprecher betonte, dass der Vergleich des Verteidigers mit dem Initiator der Aggression die eigentliche Bedeutung der Friedensfrage in Europa verfälsche.
Was das für die Beziehungen zwischen der Ukraine und Italien bedeutet
Salvinis Kommentar ist Teil der italienischen Innenpolitik: Er ist bekannt für eine harte Haltung in Migrationsfragen und kritisierte im November 2025 zusätzliche Hilfe für die Ukraine im Kontext der „Midas“-Affäre. Das sendet gleichzeitig zwei Signale: an das innenpolitische Publikum in Italien und darüber, wie einzelne Politiker Narrative verstärken können, die Moskau zugutekommen.
Diplomatenkreise und Analysten weisen darauf hin: Wenn ein Vertreter eines Verbündeten die verteidigende Seite auffordert, „den Frieden zu unterschreiben“, untergräbt das die strategische Einheit der Partner und verschafft dem Aggressor einen informationellen Vorteil. Deshalb sei die Reaktion des Außenministeriums nicht nur emotional: Sie ziele darauf ab, die Aufmerksamkeit klar auf die Quelle des Konflikts zu richten und die internationale Unterstützung für die Ukraine zu erhalten.
Folgen und Prognose
Ein solcher Vorfall kann die öffentliche Debatte in Italien und die politische Lage innerhalb der EU beeinflussen — besonders wenn ähnliche Aufrufe wiederholt werden. Für die Ukraine ist es vorteilhafter, von den Partnern nicht nur Worte, sondern konkrete Entscheidungen zu verlangen — militärische, finanzielle und politische Unterstützung, die ihre Position am Verhandlungstisch sichert. Die Frage an die italienische Regierung und die europäischen Verbündeten lautet: Werden sie auf die Signale einzelner Politiker reagieren oder die gemeinsame Linie der Solidarität mit dem verteidigenden Land verteidigen?