Worum es geht
Die Agentur Reuters berichtete unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte Gesprächspartner, dass die Administration des US‑Präsidenten den Innenminister Venezuelas, Diosdado Cabello, gewarnt habe, er könne „das Schicksal Maduros teilen“, wenn er die Interimspräsidentin Delcy Rodríguez nicht unterstütze und die Forderungen Washingtons nicht erfülle. Diese Angaben wurden bislang nicht von offiziellen Sprechern Cabellos oder der venezolanischen Regierung bestätigt.
Was die Quellen genau berichteten
Nach Angaben von Reuters kontrolliert Cabello Einheiten der Sicherheitskräfte, denen weitreichende Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Die Quellen sagen, die USA hätten ihm über Vermittler ein klares Signal gegeben: Zusammenarbeit mit Washington sei Bedingung dafür, strafrechtliche Schritte zu vermeiden, ähnlich denen, die gegen Nicolás Maduro gerichtet wurden.
"Das ist nach wie vor eine Operation der Strafverfolgungsbehörden, und wir sind noch nicht fertig"
— Ein Vertreter des US-Justizministeriums (unter der Bedingung der Anonymität)
Risiken und mögliche Szenarien
Die Entfernung oder strafrechtliche Verfolgung eines zentralen Machtakteurs wie Cabello ist kein trivialer Schritt. Reuters betont die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion von regierungsnahen Motorradgruppierungen — „Colectivos“ —, die zu Straßenchaos führen könnte, das Washington zu vermeiden sucht. Daher balanciert Washington zwischen dem Einsatz rechtlicher Hebel und dem Bestreben, in der Übergangszeit Stabilität zu bewahren.
Wer sonst ins Visier genommen wird
Die Quellen nennen außerdem Verteidigungsminister Wladimir Padrino als möglichen Zielpersonen: ihm werden Verbindungen zum Drogenhandel nachgesagt, und auf ihn ist eine Belohnung in Millionenhöhe ausgesetzt. Eine derart selektive Koordination des Drucks auf die Elite sei eher ein Instrument als eine einmalige Operation.
"Der Präsident spricht davon, die Einflusshebel gegenüber den in Venezuela verbliebenen Elementen maximal zu nutzen und ihre Zusammenarbeit mit den USA zu sichern, indem illegale Migration gestoppt, die Drogenströme unterbunden, die Öl‑Infrastruktur wiederhergestellt und Maßnahmen ergriffen werden, die für das venezolanische Volk gerecht sind"
— Ein hochrangiger Beamter der Trump‑Administration (unter der Bedingung der Anonymität)
Warum das für die Region — und für die Ukraine — wichtig ist
Dieser Fall zeigt, wie große Staaten Strafverfolgungsinstrumente und diplomatischen Druck kombinieren, um geopolitische Ziele zu erreichen. Für Europa und Länder, die die Stabilität in Lateinamerika im Blick haben, führt die direkte Konsequenz durch drei Bereiche: Migration, Drogenhandel und Energiesicherheit. Für die Ukraine ist das als Präzedenzfall wichtig: Die erhöhte Bereitschaft großer Akteure, juristische und operative Mittel gegen Regimeeliten einzusetzen, verändert die Spielregeln für Regime, die internationale Normen verletzen.
Fazit
Die Warnung an Cabello ist ein Signal dafür, dass die US‑Strategie gegenüber Venezuela Einzelnen Druck ausübt, während sie bemüht ist, Chaos zu minimieren. Analysten weisen darauf hin: Solche Maßnahmen können eine Kettenreaktion in der Region auslösen, bergen aber auch das Risiko einer Eskalation lokaler Gewalt. Nun sind die Akteure in Caracas und jene, die die tatsächlichen Machthebel kontrollieren, am Zug: Erklärungen müssen in konkrete Schritte umgesetzt werden — oder sie bleiben bloße Aussagen, die zu unvorhersehbaren Folgen führen könnten.