Ukraine will das Ende des Krieges vor den US-Wahlen beschleunigen — Sybiha zu Zeitplan und Risiken

Das Außenministerium sagt, der diplomatische „Impuls“ müsse bis November mobilisiert werden. Warum orientiert sich Kiew am Wahlzyklus der USA und was ändert das für Verhandlungen und Sicherheit?

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Hinter den Kulissen der Verhandlungen: warum Fristen wichtig sind

Das Interview des Außenministers Andrij Sybiga mit der Agentur Reuters vom 6. Februar enthält eine klare Botschaft: Kiew strebt an, den Friedensprozess zu beschleunigen und den diplomatischen Impuls vor entscheidenden US-Ereignissen zu nutzen. Es geht dabei insbesondere um die Zwischenwahlen zum US-Kongress im November – ein Faktor, der den politischen Willen Washingtons und das Tempo der Hilfe verändern kann.

„Meiner Einschätzung nach haben wir einen Impuls, das ist wahr. Wir brauchen eine Konsolidierung oder Mobilisierung dieser Friedensbemühungen, und wir sind bereit, den Prozess zu beschleunigen“

— Andrij Sybiga, Außenminister der Ukraine

Was auf dem Tisch liegt: 20-Punkte-Plan und „schwierige“ Fragen

Sybiga bestätigte, dass der 20-Punkte-Plan, der der Grundlage der letzten Verhandlungsrunden mit Beteiligung der Ukraine, Russlands und unter Vermittlung der USA zugrunde liegt, nur noch wenige offene Punkte enthält. Seiner Aussage zufolge erfordern die sensibelsten und schwierigsten Fragen eine Entscheidung auf Führungsebene — das heißt, technische Vereinbarungen sind bereits in Reichweite, doch entscheidende Kompromisse wurden noch nicht erzielt.

„Nur noch wenige Punkte sind ungelöst — die sensibelsten und schwierigsten Fragen, die auf Führungsebene gelöst werden müssen“

— Andrij Sybiga, Außenminister der Ukraine

Die Position der Ukraine: Bedingungen zur Achtung der Souveränität

Das Außenministerium weist ausdrücklich jede Versuch zurück, die russische Kontrolle über ukrainische Gebiete zu legitimieren. Im selben Interview betonte Sybiga, dass die Ukraine die Krim und Teile des Donbass nicht als russisch anerkennen und einem Abkommen wie dem sogenannten „Dmitrijew-Paket“, das ohne Kiew geschlossen wurde, nicht zustimmen werde. Das ist eine zentrale rote Linie für die weiteren Verhandlungen.

„Die Ukraine wird ihre vorübergehend besetzten Gebiete Krim und Donbass nicht als russisch anerkennen und einem Abkommen wie dem ‚Dmitrijew-Paket‘, das ohne sie geschlossen wurde, nicht zustimmen“

— Andrij Sybiga, Außenminister der Ukraine

Warum das für Sicherheit und Unterstützung wichtig ist

Wahlzyklen in den USA beeinflussen in der Praxis das Tempo und den Charakter internationaler Hilfe: Eine Veränderung der Zusammensetzung des Kongresses kann die Finanzierung und die politische Unterstützung schwächen oder stärken. Daher ist es für Kiew sinnvoll, jetzt ein Zeitfenster zu suchen — solange internationales Interesse und der politische Wille der Vermittler vorhanden sind.

Parallel dazu ist operative Arbeit wichtig: die erzielten Vereinbarungen zu verankern, die Positionen der Partner festzuhalten und zu verhindern, dass der diplomatische Impuls mit den Wahl­turbulenzen verpufft.

Was als Nächstes

Die Rhetorik Kiews ist klar und konsequent: den diplomatischen Impuls mobilisieren, die roten Linien in Bezug auf Territorien bewahren und die Verhandlungen vom taktischen auf die Ebene der Führungsspitzen heben, wo die Schlüsselfragen entschieden werden. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, hat Washington bereits Anstrengungen angeboten, den Krieg bis zum Beginn des Sommers zu beenden — nun besteht die Aufgabe der Ukraine und ihrer Partner darin, solche Vorschläge in konkrete Vereinbarungen und Garantien zu verwandeln.

Prognose. Wenn der diplomatische Impuls gebündelt wird und von einer Verstärkung der politischen Unterstützung in den USA und der EU begleitet ist, besteht eine reale Chance, bei den „schwierigsten“ Punkten des Plans Fortschritte zu erzielen. Andernfalls droht sich das Verhandlungsfenster mit dem Herannahen der Wahlen zu verengen.

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