Was passiert ist
Nach dem nächtlichen Angriff am 7. Februar meldete die Regierung die Inbetriebnahme zusätzlicher 9 MW Leistung in Kiew — dies erklärte der erste Vizepremier und Energieminister Denys Schmyhal bei einer Sitzung des Einsatzstabs zur Beseitigung der Folgen des Notfalls im Energiesektor.
„Die Lage der Stromversorgung bleibt schwierig. Die Techniker setzen die Wiederherstellung der in der Nacht zum 7. Februar von Russland beschädigten Anlagen fort. Die Schäden sind erheblich. Wir arbeiten an umfassenden Lösungen, unter anderem an der Inbetriebnahme zusätzlicher Erzeugungskapazitäten. Die Arbeiten verlaufen nach den festgelegten Zeitplänen.“
— Denys Schmyhal, Energieminister
Warum 9 MW ein Schritt, aber keine Lösung sind
Die Zahl von 9 MW ist im Hinblick auf die kurzfristige Wiederherstellung wichtig, muss aber im Verhältnis zum Umfang des Bedarfs gesehen werden. Nach Einschätzung des Bürgermeisters von Kiew (Reuters) benötigt die Stadt etwa 1700 MW für den regulären Betrieb. Selbst in Kombination mit 300 Generatoren von Partnern (deren Gesamtleistung etwa 1,6 MW beträgt) und dem rekordverdächtigen Stromimport, die laut Regierung dazu beigetragen haben, das System stabil zu halten, bleibt die Lücke groß.
Was im Netz geschehen ist und welche Folgen das hat
Während des Angriffs setzte Russland Hunderte Drohnen und Raketen ein (Berichten zufolge — 408 Drohnen und 39 Raketen), zielgerichtet gegen Umspannwerke und Leitungen, die kritische Infrastruktur und Atomkraftwerke versorgen. Teile von Reaktorblöcken reduzierten vorübergehend ihre Erzeugung, ein Block schaltete sich automatisch ab. Solche Schläge erhöhen das Risiko lokaler Abschaltungen und erfordern schnelles Lastumschalten sowie zusätzliche Manöver im Netzbetrieb.
Was das für die Kiewer bedeutet
Die praktische Wirkung für die Einwohner hängt von der Verteilung der zusätzlichen Kapazitäten auf die Bezirke und den Prioritäten (Krankenhäuser, kommunale Dienste, Wasserversorgung) ab. 9 MW können kurzfristige Ausfälle an einzelnen Orten abmildern, ersetzen aber nicht die geplanten Abschaltpläne, die DTEK angekündigt hat. Zugleich verschafft der Stromimport und das geringere Ausmaß an Abschaltungen in einigen Regionen (laut Ukrenergo) dem System Zeit für die Reparatur kritischer Knotenpunkte.
Wichtiger Kontext: Partner und Logistik
Die Entscheidungen über zusätzliche Inbetriebnahmen von Erzeugungsanlagen und die Verstärkung des Imports zeigen zwei Dinge: erstens funktionieren die Einsatzalgorithmen zur Reaktion auf große Angriffe; zweitens ist das Problem strukturell und erfordert umfangreiche internationale Hilfe in Form von Ausrüstung, Brennstoff sowie Investitionen in Wiederaufbau und Modernisierung des Netzes. Experten und Energieunternehmen sind sich einig, dass kurzfristige Zuführungen mit einem Plan für die kommenden Monate verbunden werden müssen.
Fazit
Die Inbetriebnahme von 9 MW ist ein wichtiger, aber lokaler Schritt im Rahmen der Wiederherstellung nach dem massiven Angriff. Sie verschafft an einzelnen Stellen Entlastung und Zeit für Reparaturen, verändert jedoch nicht das grundlegende Missverhältnis zwischen dem Bedarf Kiews (ca. 1700 MW) und den vorübergehenden Ressourcen. Entscheidend werden weiterhin die Netzresilienz, die Koordination des Imports mit internationalen Partnern und die Geschwindigkeit der Wiederherstellungsarbeiten sein.
Frage an Partner und Behörden: Gelingt es, temporäre Maßnahmen in systemische Investitionen zu überführen, die die Verwundbarkeit des Energiesystems in den kommenden Monaten verringern?
Quellen: Erklärung des Energieministeriums (Schmyhal), Reuters (Schätzung des Bedarfs Kiews), DTEK, Ukrenergo — öffentliche Mitteilungen der Regierung und der Energieunternehmen.