Wahlen in Ungarn: antiukrainischer Kurs oder Chance auf Dialog — was das für Kiew bedeutet

Am 12. April wählen die Ungarn die künftige Regierung. Vom Ergebnis hängt ab, ob Budapest seinen politischen Hebel in den Beziehungen zur EU und zu Kiew behalten kann oder ob sich ein Fenster für konstruktive Zusammenarbeit öffnet — wir beleuchten die Folgen.

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Віктор Орбан (Фото: Olivier Matthys / EPA)

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Die für den 12. April angesetzten Wahlen in Ungarn könnten der erste Wendepunkt seit 16 Jahren sein: entweder der Verbleib von Viktor Orbán an der Macht mit seiner offenen antagonistischen Rhetorik gegenüber Kiew, oder der Machtwechsel zur Oppositionspartei „Tisa“, die eine Neuorientierung auf EU und NATO erklärt. Für die Ukraine ist das nicht nur ein geopolitisches Symbol: Es geht um praktische Druckmechanismen in der EU, um die Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien und um diplomatische Möglichkeiten in den kommenden Jahren.

Position des Experten

„Die feindlichen Narrative der Regierungspartei haben das Bild der Ukraine als Feind konstruiert, der eine Bedrohung für die Sicherheit Ungarns darstellt. Diese Narrative waren effektiv und überzeugend, und die gesellschaftliche Wahrnehmung der Ukraine hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert“

— Richard Deméni, Analyst beim Political Capital Institute (Budapest)

Die Quelle des Kommentars ist ein Beitrag von LIGA.net aus Budapest. Der Analyst weist nicht nur auf die Rhetorik hin, sondern auch auf den kausalen Zusammenhang: feindliche Narrative verstärken die öffentliche Unterstützung für eine Politik, die anschließend als Instrument der Außenpolitik genutzt wird.

Szenario 1 — Sieg von „Fidesz“

Wenn die Regierungspartei an der Macht bleibt, sind keine grundlegenden Änderungen in den Beziehungen zu Kiew zu erwarten. Die antiukrainische Rhetorik wird sehr wahrscheinlich Teil der Innenpolitik bleiben, und die Regierung wird weiterhin die Frage der Ukraine als Verhandlungshebel in den Beziehungen zur EU nutzen — von finanziellen Mechanismen bis hin zu politischen Sanktionen. Für die Ukraine würde dies eine Fortsetzung des Risikos von Blockaden von Initiativen aus Brüssel und zusätzlichen politischen Druck auf die Positionen der Verbündeten bedeuten.

Szenario 2 — Sieg der „Tisa“

Ein Machtwechsel zu „Tisa“ bietet größere Chancen auf Deeskalation: Die Partei hat eine Neuorientierung auf EU und NATO sowie die Bereitschaft erklärt, die Beziehungen in der Region wiederherzustellen. Laut Deméni könnte „Tisa“ nach diplomatischen Wegen suchen, um langjährige Streitigkeiten über die Rechte der Ungarn in Transkarpatien zu regeln. Gleichzeitig bedeutet das nicht offen proukrainische Stimmung: Die Partei verspricht keine militärische Hilfe und wird Bedingungen hinsichtlich der Eurointegration Kiews stellen — insbesondere ein nationales Referendum.

Was Kiew berücksichtigen sollte

Ein realistischer Ansatz ist, sich auf beide Szenarien vorzubereiten. Wenn „Fidesz“ an der Macht bleibt, besteht Kiews Aufgabe darin, die Möglichkeiten Budapests zur Blockade in der EU durch aktive Koordination mit Partnern und transparente Arbeit an den Themen zu minimieren, die in Ungarn Besorgnis auslösen. Wenn hingegen „Tisa“ an die Macht kommt, schafft dies ein Fenster für diplomatische Verhandlungen über die Rechte der Ungarn in Transkarpatien und die Aufhebung mancher Vetogründe, garantiert aber keine militärische Unterstützung.

Fazit

Die Wahlen in Ungarn sind nicht nur eine innerstaatliche Angelegenheit Budapests: Sie sind ein Entscheidungspunkt, der die Sicherheit und die externe Unterstützung der Ukraine direkt beeinflusst. Analysten sind sich einig, dass das wahrscheinlichste Ergebnis bestimmen wird, ob Ungarn ein außenpolitischer Hebel bleibt, der zum Feilschen mit der EU eingesetzt wird, oder ob es sich zu einem Partner entwickelt, mit dem man sich über schwierige, aber notwendige Schritte einigen kann. Ob es Kiew gelingt, den möglichen politischen Verlauf in Ungarn in ein praktisches diplomatisches Ergebnis umzuwandeln — eine Frage, deren Antwort von der Aktivität der ukrainischen Diplomatie und der Haltung der europäischen Verbündeten abhängt.

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