Kurz
In Davos bestätigte Präsident Wolodymyr Selenskyj: die Ukraine werde dem sogenannten Friedensrat, den die US-Administration geschaffen hat, erst nach Beendigung des Krieges beitreten. Seiner Darstellung nach seien das Format des Rates und allein die Tatsache der Unterzeichnung eine Neuigkeit für ihn, und eine Beteiligung an einer gemeinsamen Monitoring-Struktur mit Russland während der Kampfhandlungen sei inakzeptabel.
Was der Präsident genau sagte
"Aber ich sagte, dass für uns klar sei: Wir werden in diesem Rat sein, wenn der Krieg beendet ist. Jetzt sind wir mit den Russen Feinde. Belarus ist ein Verbündeter Russlands, und wir können nicht mit ihnen in demselben Format sein."
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
"Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Als wir über den 20-Punkte-Plan sprachen... schlug die amerikanische Seite vor, dass sie Partner brauchen, die zusammen mit den USA das Monitoring durchführen"
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Warum das wichtig ist
Die Entscheidung, an einer multinationalen Monitoring-Struktur teilzunehmen, ist nicht nur ein diplomatischer Gestus. Es geht um Legitimität, Sicherheit und Informationsmanagement. Die Ukraine argumentiert, dass ein Monitoring des Waffenstillstands unter Beteiligung von Parteien, die sich im Kriegszustand befinden oder gemeinsame Interessen mit dem Aggressor haben, das Risiko birgt, die Kontrolle aus der ukrainischen Verantwortung zu entziehen und Russland propagandistische Vorteile zu verschaffen.
Kontext und zentrale Fakten
Die Klarstellung Selenskyjs ist vor dem Hintergrund mehrerer Meldungen der letzten Tage wichtig:
- 18. Januar 2026 — es wurde berichtet, dass die US-Administration angekündigt habe, mindestens 1 Mrd. US-Dollar von Ländern verlangen zu wollen, die einen ständigen Sitz im Friedensrat anstreben.
- 19. Januar 2026 — es wurde bekannt, dass der französische Präsident Emmanuel Macron nicht beabsichtige, sich dieser Initiative anzuschließen.
- 22. Januar 2026 — in Davos fand die Gründungszeremonie des Friedensrats statt, zu der rund fünfzig Führungspersonen eingeladen wurden, darunter auch die Ukraine.
Analyse: Risiken und Chancen
Die ukrainische Position hat eine rationale Grundlage. Erstens erfordert ein effektives Monitoring die Zustimmung der beteiligten Seiten und Sicherheitsgarantien — Elemente, die derzeit nicht gegeben sind. Zweitens kann eine Beteiligung an gemeinsamen Formaten mit Staaten, die dem Kreml nahestehen, eine Situation schaffen, in der Entscheidungen und Schlussfolgerungen gegen die Ukraine instrumentalisiert werden.
Gleichzeitig gibt die Initiative des Friedensrats den Partnern die Möglichkeit, neue diplomatische Kanäle zu formalisieren und politische Kosten und Nutzen abzuwägen. Die Position Kiews stellt eine klare Bedingung: Zuerst Frieden und Kontrolle über die Grenze, dann die Teilnahme an Monitoring-Mechanismen.
Wie geht es weiter?
Jetzt sind die Partner am Zug: Erklärungen müssen in klare Garantien und Verfahren umgesetzt werden, die die Sicherheitsinteressen der Ukraine berücksichtigen. Vorerst hat Selenskyj den Realitäten an der Front Vorrang vor diplomatischen Symbolen eingeräumt — ein Signal für den pragmatischen Ansatz Kiews hinsichtlich der Bedingungen für eine Rückkehr in multilaterale Formate.
Frage an die Partner: Sind sie bereit, rechtliche und technologische Garantien in den Mechanismus einzubauen, damit die Teilnahme der Ukraine sicher und sinnvoll ist und nicht nur dekorativ?