Position des Präsidenten — kurz
In einem Interview mit Politico wiederholte Wolodymyr Selenskyj: Er befürwortet Verhandlungen, besteht aber darauf, dass der internationale Druck auf Russland und nicht auf Kiew gerichtet sein müsse. Das sei keine Rhetorik, sondern der Versuch, die diplomatische Debatte klar neu auszurichten: der Austausch von Äußerungen müsse in Druck auf den Aggressor münden, der ihn dazu zwinge, sein Verhalten zu ändern.
"Deshalb, natürlich, brauchen wir Verhandlungen, wir unterstützen sie <…> Es geht nicht um Vertrauen in Putin, wir vertrauen Russland nicht, aber ich denke und ich glaube, dass die Amerikaner wirklich diesen Krieg beenden wollen. Ich hoffe, dass sie uns helfen werden, aber wir brauchen stärkeren Druck auf Russland, nicht auf mich"
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine (Interview mit Politico)
Warum ein Truppenabzug eine Bedrohung ist
Selenskyj wies die Forderung Russlands zurück, ukrainische Truppen aus dem Donbass abzuziehen. Seiner Ansicht nach würde dies dem Gegner stabile Verteidigungsstellungen verschaffen und seine Moral heben — das heißt, das Kräfteverhältnis zugunsten Russlands verschieben. Dieses Argument folgt einer einfachen Logik: territoriale Zugeständnisse in einem ungelösten Konflikt bedeuten häufig strategische Verluste in der Zukunft.
Sanktionen und Energie: doppelte Wirkung
Der Präsident äußerte zudem Besorgnis über ein mögliches Nachlassen der Sanktionen gegen Russland, das unter den westlichen Partnern diskutiert wird. Diese Frage berührt unmittelbar die Sicherheit der Ukraine: Sanktionen sind das wichtigste Instrument zur Abschreckung des Aggressors, und ihre Abschwächung könnte die Ansätze für diplomatischen Druck verringern.
Parallel dazu hat sich die Energiesituation zugespitzt: LIGA.net erklärte, warum die Kraftstoffpreise gestiegen sind und unter welchen Bedingungen ein Mangel möglich wäre. Steigende Energiekosten belasten Haushaltsbudgets und die Logistik der Versorgung der Front — deshalb müssen Entscheidungen über Sanktionen und energiebezogene Ausnahmen unter Berücksichtigung realer Risiken für die Ukraine getroffen werden.
Kalender der Verhandlungen
Die für Anfang März geplanten trilateralen Verhandlungen zwischen der Ukraine, den USA und Russland wurden wegen Operationen und Spannungen in der Region, die mit Vorfällen unter Beteiligung des Iran zusammenhängen, verschoben. Nach Angaben Selenskyjs könnte die nächste Runde voraussichtlich zwischen dem 16. und 22. März stattfinden — potenzielle Orte sind die Schweiz oder die Türkei.
Was als Nächstes folgt — kurze Analyse
Effektive Verhandlungen erfordern zwei Dinge: erstens eine klare Position der Partner in Bezug auf Sanktionen — ohne diese hätte Russland weniger Anreize für Zugeständnisse; zweitens die Bewahrung der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine, damit diplomatische Schritte nicht in taktische Verluste auf dem Feld umschlagen. Expertinnen und Experten sind sich einig, dass gerade die Kombination aus diplomatischem Druck und defensiver Standfestigkeit die besten Chancen bietet, das Verhalten des Aggressors zu ändern.
Nun sind die Partner am Zug: Haben sie den politischen Willen, und werden sich Aussagen in konkrete Druckinstrumente verwandeln, die die Interessen der Ukraine schützen — von der Sicherheit an der Front bis zur Stabilität des Energiemarktes?