Spanien hat das Verfahren gegen Julio Iglesias eingestellt: Was das für die Opfer und die internationale Verantwortung bedeutet

Die Staatsanwaltschaft des Obersten Gerichts von Madrid hat die Ermittlungen wegen fehlender Zuständigkeit eingestellt — wir erklären, warum diese technische Entscheidung erhebliche Folgen für die Opfer und für das System transnationaler Justiz hat.

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Die Staatsanwaltschaft des Obersten Gerichts Spaniens hat das Verfahren gegen den bekannten Sänger Julio Iglesias offiziell eingestellt und auf weitere Ermittlungen wegen fehlender Zuständigkeit verzichtet. Nach Angaben von Reuters und UNN betraf der Fall Vorwürfe sexueller Gewalt und Menschenhandels, die angeblich außerhalb Spaniens begangen worden sein sollen.

Anfang Januar erstattete die Menschenrechtsorganisation Women’s Link Worldwide die Anzeige im Namen von zwei ehemaligen Angestellten der Residenzen Iglésiass in der Karibik. Die Frauen behaupteten, dass sie 2021 während ihrer Tätigkeit in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas sexuellen Übergriffen, Zwangsarbeit und anhaltendem psychischem Druck ausgesetzt gewesen seien.

Die Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluss, dass die spanischen Gerichte keine Grundlage für die Anwendung ihrer Zuständigkeit haben: Die mutmaßlichen Straftaten sollen auf fremdem Hoheitsgebiet begangen worden sein, und die Klägerinnen sind keine spanischen Staatsangehörigen. Diese Entscheidung stützt sich auf die Beschränkungen des Prinzips der universellen Gerichtsbarkeit, das in bestimmten Fällen die Verfolgung schwerer Straftaten im Ausland erlaubt, aber klare Anwendungsgrenzen hat.

Reaktion des Künstlers und weitere Perspektiven

„Diese Anschuldigungen sind völlig falsch und zutiefst verletzend. Ich werde meinen Ruf verteidigen“,

— Julio Iglesias, Sänger

Vertreter des Sängers und das Label Sony Music halten sich vorerst mit detaillierten Kommentaren zurück. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass die Betroffenen das Recht behalten, sich an die Strafverfolgungsbehörden der Dominikanischen Republik oder der Bahamas zu wenden — und dass gerade diese Rechtsordnungen nun über die entscheidenden Ressourcen und die Verantwortung für das weitere Vorgehen verfügen.

Was das für die Opfer und das Völkerrecht bedeutet

Die formelle Einstellung des Verfahrens in Madrid stellt nicht automatisch eine inhaltliche Bewertung der Beweise zugunsten einer Partei dar: Es handelt sich um eine Entscheidung zur Zuständigkeit der Gerichte. Gleichzeitig verdeutlicht sie die problematische Realität grenzüberschreitender Justiz — wenn einflussreiche Beschuldigte und mutmaßliche Taten im Ausland involviert sind, sehen sich Opfer häufig verfahrensrechtlichen Hürden gegenüber.

Menschenrechtsorganisationen äußerten bereits ihr Unbehagen darüber, den Beschuldigten nicht in seinem Heimatland zur Verantwortung ziehen zu können. Experten für internationales Recht betonen: Ohne engere Zusammenarbeit zwischen Staaten, stärkere lokale Ermittlungsbefugnisse und Schutzmechanismen für Zeugen kommen solche Verfahren oft nur langsam voran.

Für die Ukraine, die derzeit auf internationaler Verantwortung für Verbrechen auf ihrem Hoheitsgebiet besteht, ist dies eine zusätzliche Mahnung: Internationale Institutionen und Prinzipien wirken nicht automatisch — ihre Wirksamkeit hängt von politischem Willen, zwischenstaatlicher Koordination und der Bereitschaft lokaler Gerichte ab, komplexe Ermittlungen zu führen.

Fazit ohne Pathos: Das Verfahren in Madrid wurde aus verfahrensrechtlichen Gründen eingestellt, doch die Frage der Verantwortung und des Zugangs zur Justiz für die Betroffenen bleibt offen. Nun liegt die Initiative bei den lokalen Behörden der Dominikanischen Republik und der Bahamas sowie bei internationalen Menschenrechtsnetzwerken, die weitere Ermittlungen anstoßen können. Nach Angaben von Reuters und UNN.

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