Was passiert ist
Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine zusammen mit dem Büro des Generalstaatsanwalts haben in Kiew ein großangelegtes Schema zur Umgehung der Mobilisierung aufgedeckt, an dem der erste stellvertretende Leiter einer der Bezirksverwaltungen der Hauptstadt beteiligt sein soll. Im Zuge umfangreicher Maßnahmen wurde der Beamte festgenommen.
Wie das Schema funktionierte
Nach Auffassung der Ermittler soll der Funktionär durch Dokumentenfälschung Personen fiktiv in Militäreinheiten der Streitkräfte der Ukraine „eingeschrieben“ haben und später ihre unrechtmäßige Abmeldung aus dem Wehrregister auf Grundlage erfundener medizinischer Diagnosen organisiert haben. Zur Umsetzung des Schemas wurden persönliche Verbindungen zum territorialen Bezirkszentrum für Personalrekrutierung und soziale Unterstützung sowie ein Komplize, der gefälschte Dokumente herstellte, genutzt.
"Der Preis für eine solche 'Dienstleistung' betrug zwischen 15.000 und 20.000 US-Dollar pro Person."
— Sicherheitsdienst der Ukraine
Bei Durchsuchungen wurden gefälschte medizinische und wehrdienstliche Unterlagen, Siegel angeblicher Militäreinheiten sowie Mobiltelefone mit Beweismitteln der rechtswidrigen Tätigkeit beschlagnahmt.
Warum das wichtig ist
Korruptionsschemata dieser Größenordnung untergraben nicht nur das Vertrauen in staatliche Institutionen — sie schädigen unmittelbar die Verteidigungsfähigkeit. Jede „gekaufte“ Stelle bedeutet einen Mangel an Personalressourcen für die Einheiten, und die hohen Einnahmen machen dieses Geschäft für organisierte Gruppen attraktiv. Sicherheitsanalysten betonen, dass eine effektive Mobilisierung nicht nur eine Frage der Waffenkraft, sondern auch des Vertrauens in das System ist.
Rechtliche Bewertung und Konsequenzen
Die Ermittler haben Verdacht nach Art. 27 Abs. 3, 5, Art. 28 Abs. 2, Art. 409 Abs. 4 des Strafgesetzbuchs der Ukraine angezeigt (Organisation und Beihilfe zur Umgehung des Militärdienstes, begangen durch eine vorher abgesprochene Personengruppe während des Kriegsrechts). Den Beschuldigten drohen bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe. Derzeit wird über die Anordnung einer Haftmaßnahme — Untersuchungshaft — entschieden.
Wie geht es weiter
SBU und das Büro des Generalstaatsanwalts dokumentieren weiterhin die Beteiligung weiterer Personen und arbeiten die Netzwerke ab, über die die illegalen Zahlungen abgewickelt wurden. Die Festnahme ist ein wichtiger Schritt, doch für eine systemische Bekämpfung sind Änderungen bei der Kontrolle des Wehrregisters, schärfere Strafmaßnahmen bei Dokumentenfälschung und transparente Mechanismen der medizinischen Begutachtung erforderlich.
Werden diese Beweise und der politische Wille ausreichen, um die Ketten zu durchbrechen, die die Mobilisierung zu einer Handelsware machen? Die Antwort wird von der Geschwindigkeit der Ermittlungen und der Qualität der gerichtlichen Klärung abhängen.