Am 15. Juni landete das Präsidentenflugzeug Erdogans – einer der größten VIP-Regierungsflugzeuge der Welt, bemalt in den rot-weißen Farben der türkischen Flagge – zum ersten Mal auf dem modernisierten Flughafen Etimesgut. Damit eröffnete die Türkei den Ankara Airport mit dem Code ANK: den zweiten großen Luftfahrtknoten der Hauptstadt nach Esenboğa.
Wozu ein zweiter Flughafen notwendig ist
Die Antwort gab Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu bereits vor der Eröffnung: «Von Esenboğa bis zur Stadt sind es 30 Kilometer. Die Protokolllogistik auf dieser Strecke schafft ernsthafte Verkehrsprobleme». Einfach ausgedrückt – die Fahrzeugkonvois von Dutzenden Führungspersönlichkeiten würden die Stadt lahmlegen. Die Rekonstruktion wurde in acht Monaten abgeschlossen: die Start- und Landebahn wurde vollständig umgebaut, ein modernes Terminal errichtet, und zwei Wendeplatze mit einer Gesamtfläche von 15.000 Quadratmetern hinzugefügt.
Der Flughafen wird Inlands- und Internationale Flüge abwickeln, jedoch ist seine Hauptfunktion in den kommenden Wochen ein Logistik-Hub für den NATO-Gipfel vom 7.–8. Juli im Präsidialpalast Beştepe.
Trump als Katalysator
Dass der Gipfel genau in Ankara stattfinden würde, wurde bereits vor der Bestätigung der Teilnahme des amerikanischen Präsidenten klar. Doch die Intensität der Vorbereitungen stieg stark an, nachdem Erdogan im Mai mit Trump telefonierte: Nach Angaben von Middle East Eye teilte Trump persönlich mit, dass er beabsichtigt zu kommen. Das Weiße Haus hat eine offizielle Bestätigung bisher nicht veröffentlicht.
«Dass Präsident Trump den Gipfel persönlich besucht – ein wertvoller Schritt für die Einheit der Allianz»
Recep Tayyip Erdoğan
Für Erdoğan ist Trumps Anwesenheit nicht nur ein diplomatischer Gewinn. Die Türkei balancierte jahrelang zwischen der NATO und Moskau, blockierte den Beitritt Schwedens und Finnlands, kaufte russische S-400. Einen Gipfel der Allianz zu Hause abzuhalten – und mit Trump in der Hauptrolle – ist eine symbolische Rehabilitation auf höchster Ebene.
Was auf der Tagesordnung steht
- Verteidigungsausgaben: Nach dem Gipfel in Den Haag verpflichteten sich die Verbündeten, die Ausgaben bis 2035 auf 5% des BIP zu erhöhen. Der Gipfel in Ankara soll diese Zahlen in konkrete Rüstungskapazitäten umwandeln.
- Ukraine: Nach Aussage eines NATO-Vertreters bleibt die Unterstützung Kiews auf der Tagesordnung – «die Sicherheit der Ukraine ist unmittelbar mit unserer verbunden».
- Breiter Teilnehmerkreis: Es werden Zelenskyj, Vertreter der EU, Japans, Südkoreas, Australiens und Neuseelands erwartet.
Der Analyst Ian Lesser vom German Marshall Fund merkte an, dass die Wahl der Türkei als Gastgeber «sowohl politische als auch symbolische Bedeutung» hat – besonders angesichts der Tatsache, dass das Allianz-Mitgliedland in den letzten Jahren offensichtliche Ambivalenz gegenüber dessen Kurs gezeigt hat.
Sicherheit und der Preis der Ordnung
Für den Gipfel kündigte die türkische Regierung ein 15-tägiges Demonstrationsverbot in Ankara an, wird «rote Zonen» rund um die Flughäfen und den Präsidialpalast einrichten und werden 40.000 Polizisten und Gendarmen eingesetzt. Auch internationale Flüge zu Esenboğa werden beschränkt.
Der neue ANK spielt in diesem Schema eine Ventil-Funktion: Er übernimmt den VIP-Verkehr und entlastet den Hauptflughafen, ohne die Stadt zum Stillstand zu bringen.
Wenn Trump tatsächlich nach Ankara kommt und ein gemeinsames Communiqué mit konkreten Verpflichtungen zur Ukraine unterzeichnet – und nicht nur eine Erklärung zu Verteidigungsausgaben – wird dies ein echter Test dafür, ob die Türkei ihre diplomatischen Ressourcen in einen substanziellen Einfluss innerhalb der Allianz umgewandelt hat.