Kurz
Der Verwaltungsrat des schweizerisch-belgischen Unternehmens Barry Callebaut hat Hein Schumacher zum CEO ernannt. Er wird seine Tätigkeit am 26. Januar aufnehmen und damit Peter Feld ablösen, der das Amt seit April 2023 innehatte. Das teilte die Pressestelle des Unternehmens mit.
Was das Unternehmen mitteilte
In einer Pressemitteilung veröffentlichte Barry Callebaut außerdem die Ergebnisse des ersten Quartals des Geschäftsjahres (September–November 2025): das Verkaufsvolumen sank um 9,9% – auf 509.401 Tonnen. Im Segment „Global Chocolate“ fielen die Verkäufe um 6,8% (verglichen mit dem Markt für Schokoladenkonfiserie, der um 6,1% zurückging). Das Segment „Global Cocoa“ verzeichnete einen Rückgang von 22,0%, den das Unternehmen auf eine schwächere Marktnachfrage und die Priorisierung margenstärkerer Segmente zurückführt. Außerdem wurde klargestellt, dass die vorübergehende Produktionsunterbrechung in Sainte‑Hyacinthe (Kanada) bereits behoben wurde.
"Das Verkaufsvolumen im Segment 'Global Cocoa' sank um -22,0%, was die negative Marktnachfrage und die Priorisierung von Volumina in margenstärkeren Bereichen des Cocoa‑Segments widerspiegelt."
— Barry Callebaut, Pressestelle
Warum die Ernennung Schumachers wichtig ist
Schumacher leitete von 2023–2025 Unilever, wo er einen Wachstumsplan mit Fokus auf höherwertige Marken umsetzte. Zuvor bekleidete er Führungspositionen bei der Molkengenossenschaft Royal FrieslandCampina. Ein solcher Hintergrund sendet mehrere Signale an den Markt:
- Fokus auf Rentabilität und Premiumisierung: die Erfahrung im Aufbau eines margenstarken Portfolios könnte bedeuten, dass künftig weniger das Volumen, sondern die Profitabilität priorisiert wird.
- Operative Disziplin: ein Manager aus großen internationalen FMCG‑Firmen stärkt in der Regel die Effizienz der Lieferketten und die Qualitätssicherung.
- Umgang mit Investoren: ein Kandidat mit Transformationserfahrung positioniert das Unternehmen besser, um das Vertrauen der Kapitalgeber in Phasen sinkender Umsätze zurückzugewinnen.
Auswirkungen auf den Markt und auf die Ukraine
Der Führungswechsel bei einem der weltweit größten Kakaoverarbeiter hat mehrere praktische Folgen. Erstens könnten die von dem Unternehmen genannten niedrigeren Kakaobohnenpreise die Produktionskosten für Süßwarenhersteller – einschließlich ukrainischer – entlasten. Zweitens würde eine tatsächliche Verlagerung des Fokus von Barry Callebaut hin zu Premium‑Produkten Nischen für lokale Produzenten öffnen, die handwerkliche oder Premium‑Schokolade für Exportverträge anbieten können.
Gleichzeitig kann die Konzentration auf Marge und Optimierung den Druck auf kleinere Zulieferer erhöhen: die Anforderungen an Qualität, Mengen und Lieferstabilität werden steigen. Ukrainische Hersteller und Rohstofflieferanten sollten diese Trends beobachten, um sich rechtzeitig anzupassen.
Kontext
Die Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen im globalen FMCG‑Sektor. Zur Erinnerung: Unilever schloss am 6. Dezember 2025 die Abspaltung seiner Eissparte als eigenständiges Unternehmen The Magnum Ice Cream Company N.V. (TMICC) ab – ein Beispiel dafür, wie große Akteure ihre Geschäftsmodelle unter Marktdruck neu organisieren.
Fazit
Die Ernennung von Hein Schumacher ist nicht nur ein Namenswechsel in den Berichten des Verwaltungsrats. Sie signalisiert Barrry Callebauts Absicht, den vorübergehenden Absatzrückgang in eine nachhaltige Erholung zu verwandeln – durch höhere Rentabilität und operative Strenge. Für die ukrainische Industrie bedeutet das sowohl Chancen (günstigere Rohstoffkosten, Nischen für Premium‑Produkte) als auch Herausforderungen (gestiegene Anforderungen an Zulieferer). Nun liegt die Frage bei Management und Markt: Wird es dem neuen CEO gelingen, diese Signale in reales Wachstum zu verwandeln – und wie schnell werden Hersteller und Verbraucher in der Ukraine dies spüren?