Was passiert ist
Der Vorsitzende des parlamentarischen Energieausschusses, Андрій Герус, behauptet in einem Schreiben an Premierministerin Юлія Свириденко, dessen Text LIGA.net vorliegt, dass die НАЕК «Енергоатом» durch „krasse Inkompetenz oder korrupte Interessen“ etwa 2 млрд грн verloren habe. Grund sei der Verkauf eines erheblichen Volumens an Strom vor der Anhebung der Preis‑Caps.
Chronologie nach Angaben des Schreibens und offener Meldungen:
- Ideen zur Anhebung der Preis‑Caps wurden laut dem Abgeordneten seit dem 8. Januar in geschlossenen Sitzungen diskutiert.
- 12.–15. Januar erklärte die НКРЕКП öffentlich, dass die Preise unverändert bleiben würden.
- Am 14. Januar führte Energoatom eine Auktion durch und verkaufte 2100 МВт Strom zu den „alten“, niedrigeren Preisen (Formulierung aus dem Schreiben des Abgeordneten).
- Am 16. Januar erhöhte die НКРЕКП die Preis‑Caps um 82,5 % — auf 15 000 грн pro МВт·год.
Nach Berechnungen von Герус führte die Differenz zwischen dem Auktionserlös und dem neuen Preis‑Cap zu Mindereinnahmen von rund 2 млрд грн, die seiner Aussage nach faktisch zu Gewinnen privater Händler wurden.
„Das Abziehen von 2 млрд грн aus einem staatlichen Unternehmen in einer so schwierigen Zeit kann nur als extreme Form der Plünderung mit besonderem Zynismus gewertet werden.“
— Андрій Герус, Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Energie und ЖКГ
Warum das wichtig ist
Es ist nicht nur Marktarithmetik. 2 млрд грн sind reale Mittel für den Staatshaushalt, die für die Reparatur von Infrastruktur, Sozialleistungen oder andere kritische Bedürfnisse im Krieg hätten verwendet werden können. Zudem untergräbt die Situation das Vertrauen in staatliche Unternehmen und den Regulator — ein Faktor, der die Investitionssicherheit im Sektor hemmt.
Die von Герус hervorgehobenen Indikatoren sind wirtschaftlich plausibel: Die ersten 15 größten Käufer in den Ausschreibungen erhöhten ihre Einkaufsvolumina im Durchschnitt um 101 %, während die übrigen 45 Unternehmen diese im Mittel um 57 % reduzierten. Eine solche Asymmetrie im Käuferverhalten korreliert mit der Wahrscheinlichkeit eines Informationsvorteils bei einigen großen Akteuren.
Kontext und frühere Ermittlungen
Ende letzten Jahres führte die НАБУ mehrere Durchsuchungen in einem Fall durch, der als Operation „Midas“ bezeichnet wird; am 11. November wurden sieben Beschuldigten Vorwürfe gemacht. Die Regierung hat bereits den Aufsichtsrat von Energoatom aufgelöst und einen neuen bestellt, der die Geschäftsführung des Unternehmens ernennen soll. Das schafft einen zusätzlichen politischen und administrativen Hintergrund für die aktuellen Vorwürfe.
Was vorgeschlagen wird und welche Risiken bestehen
Gерус fordert unter anderem, die Verträge vom 14. Januar aufzulösen, eine erneute Auktion zu den neuen Preisen durchzuführen und dienstliche Untersuchungen gegen die НКРЕКП und Energoatom einzuleiten. Das sind radikale Schritte, verfolgen jedoch ein klares Ziel — staatliche Mittel zurückzuholen und Gerechtigkeit auf dem Markt wiederherzustellen.
Gleichzeitig sind die rechtlichen und marktbezogenen Risiken zu beachten: Die Annullierung geschlossener Verträge kann zu Klagen führen, den Marktbetrieb erschweren und das Vertrauen von Investoren schwächen. Daher muss der Dialog zwischen Strafverfolgungsbehörden, Regulator und Management transparent und zügig geführt werden.
Fazit
Es geht nicht nur um die Summe — es geht um Entscheidungsmechanismen und die Kontrolle staatlicher Unternehmen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein Hinweis auf ein systemisches Problem in der Verwaltung von Vermögenswerten, das keine emotionalen Erklärungen, sondern konkrete rechtliche und organisatorische Maßnahmen erfordert. Jetzt sind die Strafverfolgungsbehörden, der Regulator und das neue Management von Energoatom am Zug — ob sie schnell und transparent Antworten auf die gestellten Fragen liefern können.