Finnischer Geheimdienst: Russland dürfte Angriffe auf die Unterwasserinfrastruktur der Ostsee fortsetzen — Risiken für Kommunikation und Sicherheit in der Region

Die Zahl der Zwischenfälle in der Ostsee ist seit 2023 gestiegen. Warum das für die Ukraine und für Europa wichtig ist und wie sich die maritime Sicherheit verändert — das klären wir anhand des jährlichen Berichts des finnischen Geheimdienstes und einer Meldung von Reuters.

168
Aktie:

Das große Bild: stille Angriffe auf die Infrastruktur

Der jährliche Geheimdienstbericht Finnlands, interpretiert von Reuters, zieht die knappe Schlussfolgerung: Russland wird wahrscheinlich weiterhin versuchen, die Unterwasserinfrastruktur in der Ostsee zu beschädigen. Das ist nicht nur ein regionales Problem — Unterwasserkabel und andere Anlagen stellen die kritische Verbindung für Finanzen, Verwaltung und Verteidigung der gesamten Region sicher, einschließlich der Länder, die die Ukraine unterstützen.

Was genau die finnischen Geheimdienste berichteten

Die Hauptbotschaft des Berichts — die Zahl der Vorfälle im Zusammenhang mit Unterwasserinfrastruktur ist seit 2023 gestiegen. Der Chef des finnischen Nachrichtendienstes betonte, dass Moskau die technische Fähigkeit habe, solchen Anlagen Schaden zuzufügen, im Bericht werden jedoch keine direkt vorgelegten und überzeugenden Beweise für eine staatliche Beteiligung an den jüngsten Fällen angeführt.

„Russland hat offensichtlich die Fähigkeit, Unterwasserinfrastruktur zu zerstören, wenn es will, aber wir haben keine überzeugenden Beweise gefunden, dass ausgerechnet Russland oder ein anderer staatlicher Akteur hinter den jüngsten Vorfällen steht.“

— Generalmajor Pekka Turunen, Chef des finnischen Nachrichtendienstes

Beweise und Ungewissheit

Der Bericht dokumentiert nicht nur Beschädigungen an Kabeln, sondern auch eine Zunahme verdächtiger Vorfälle rund um Übungen und militärische Einrichtungen an Land — Drohnen, Personen in der Nähe von Stellungen usw. Analysten werten dies als eine Kombination aus erhöhter Wachsamkeit, einer niedrigeren Schwelle für Meldungen und zugleich tatsächlicher Sammlung von Geheimdienstinformationen.

„Dieses Phänomen hängt höchstwahrscheinlich mit erhöhter Wachsamkeit und einer niedrigeren Melde-Schwelle zusammen, zugleich handelt es sich aber auch um echte Sammlung von Aufklärungsdaten, die die militärische Landesverteidigung betreffen.“

— Jahresüberblick des finnischen Nachrichtendienstes (Zitat)

Im Zusammenhang mit den jüngsten Fällen berichtete die finnische Polizei über konkrete Vorfälle: Am 31. Dezember 2025 wurde in der Finnischen Bucht ein beschädigtes Telekommunikationskabel zwischen Finnland und Estland entdeckt — am selben Tag wurde ein Schiff festgehalten; am 2. Januar 2026 wurde seine Besatzung verhört, und am 12. Januar wurde das Schiff freigegeben. Ähnliche Vorfälle wurden bereits in den Jahren 2024–2025 dokumentiert, was einen konsistenten Kontext schafft, obwohl direkte staatliche Beweise begrenzt bleiben.

Was das für die Ukraine und Partner bedeutet

Unterwasserkabel betreffen nicht nur das Internet: Sie sind entscheidend für zwischenbankliche Transaktionen, operative Kommunikation, Koordination von Hilfe und militärische Operationen. Der Anstieg der Vorfälle in der Ostsee hat direkte Folgen für die allgemeine Resilienz der Netze und die maritime Sicherheit in Europa. Für die Ukraine ist das ein weiteres Argument zugunsten einer verstärkten internationalen Kooperation beim Schutz kritischer Infrastruktur, bei der Überwachung des Seegebiets und beim Austausch von Geheimdienstinformationen.

Das Expertenumfeld in der Region weist darauf hin, dass solche Aktionen asymmetrischen Druckmustern entsprechen: kostengünstige, schwer zuschreibbare Akte, die das Vertrauen in die Infrastruktur untergraben und dazu zwingen, Ressourcen in den Schutz zu investieren.

Was zu tun ist

Die Reaktion muss praktisch sein: Verstärkung der maritimen Überwachung, schnelle Reaktion auf Zwischenfälle, Standards für verstärkten Schutz von Kabelnetzen und Mechanismen für internationale Ermittlungen. Solange Erklärungen der Solidarität wichtig sind, bleibt die zentrale Frage, ob die Partner diese Erklärungen in Instrumente zum Schutz der Infrastruktur umsetzen.

Fazit

Der Bericht des finnischen Nachrichtendienstes zeichnet eine Prognose, die nicht überraschend ist: erhöhte Aktivität und Risiken bleiben bestehen. Zwar fehlen oft direkte Beweise für staatliche Beteiligung, doch die Praxis selbst — Beschädigungen von Kabeln, Drohnen bei Übungen, verdächtige Schiffe — schafft reale Bedrohungen für Kommunikation und Sicherheit. Die Frage ist nicht nur, wie man solche Vorfälle dokumentiert, sondern wie man sie schnell neutralisiert und verhindert — zum Schutz Europas und der Ukraine sind konkrete technische und operative Lösungen nötig, nicht nur Worte.

Weltnachrichten