Gasimporte sind um das Neunfache gestiegen — wie neue Routen die Energiesicherheit der Ukraine gestärkt haben

Rekordhafte 6,47 Mrd. m³ im Jahr 2025 — das ist nicht nur eine Zahl. Wir erklären, woher das Gas kam, was die Sprünge ausgelöst hat und warum das für den Winter und die Wirtschaft wichtig ist.

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Rekordimporte: 6,47 Mrd. m³ im Jahr 2025

Nach den Ergebnissen des Jahres 2025 belief sich das Volumen der Erdgasimporte in die Ukraine auf 6,47 Mrd. m³ — der höchste Wert seit 2020, zeigen Berechnungen der Beratungsfirma ExPro. Im Vergleich zu 2024 stiegen die Importe fast um das Neunfache — von 724 Mio. auf 6,47 Mrd. m³. Dies ist kein zufälliger Anstieg, sondern die Folge gleichzeitiger taktischer Entscheidungen und umfangreicher regionaler Kooperation.

Monate und Auslöser

Die Verteilung der Importe über die Monate war ungleichmäßig. Im Januar lagen die Lieferungen mit nur 43 Mio. m³ am geringsten, da man auf eigene Förderung hoffte. Im Februar kam es zu einem starken Anstieg auf 512 Mio. m³ — eine direkte Folge des Beschusses zu Beginn des Monats, der die Infrastruktur beschädigte und zur Suche nach externen Lieferungen zwang. Im März–April stabilisierten sich die Mengen auf 220–280 Mio. m³ pro Monat, und im Juli erreichten sie mit 833 Mio. m³ einen Höhepunkt im Rahmen der aktiven Vorbereitung auf die Heizsaison.

Woher das Gas kam und welche Routen an Bedeutung gewannen

Hauptlieferant im Jahr 2025 war Ungarn mit 2,94 Mrd. m³ (45,5 % der Importe). Auf dem zweiten Platz lag Polen — 2,1 Mrd. m³ (32,5 %), gefolgt von der Slowakei mit 1,33 Mrd. m³ (20,5 %). Trotz großer technischer Kapazitäten der slowakischen Richtung machten hohe Tarife diese weniger attraktiv im Vergleich zu den ungarischen und polnischen Routen.

Neben den traditionellen Wegen intensivierte die Ukraine die Lieferungen über die Transbalkanroute — 97 Mio. m³ (1,5 %). Eine neue Initiative — die gemeinsame Route Route 1 (Betreiber aus Ukraine, Moldau, Rumänien, Bulgarien und Griechenland) — pumpte innerhalb eines Jahres über 70 Mio. m³ aus Griechenland zu reduzierten Tarifen. Am 22. Dezember wurden im Rahmen der Initiative „Vertikalkorridor“ zudem Route 2 und Route 3 in Betrieb genommen.

„Die neunfache Zunahme der Importe ist nicht nur eine Zahl. Sie ist ein Signal: Die Ukraine hat die Lieferungen schnell diversifiziert und die Bestände vor der Heizsaison gestärkt.“

— ExPro, Beratungsunternehmen

Folgen und Risiken

Diese Volumina erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Landes: Die Diversifizierung der Routen und die Zusammenarbeit mit benachbarten Betreibern verschaffen mehr Spielraum in Krisenzeiten. Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen: Abhängigkeit von der Tarifpolitik auf einzelnen Routen, Saisonalität der Nachfrage sowie die Notwendigkeit, vorübergehende Lösungen in langfristige Verträge und Investitionen in die Infrastruktur zu überführen.

Analysten sind sich einig, dass das Jahr 2025 ein Test für die Leistungsfähigkeit regionaler Kooperation war. Der nächste Schritt besteht darin, die erzielten Ergebnisse durch Verträge und haushaltspolitische Maßnahmen zu sichern, damit eine erfolgreiche Saison nicht zur Illusion einer sicheren Zukunft wird.

Kurzfazit

Rekordhafte 6,47 Mrd. m³ — ein Erfolg operativer Diplomatie und der technischen Arbeit der Betreiber. Reicht das jedoch für den dauerhaften Schutz der Energiesicherheit der Ukraine? Die Antwort hängt davon ab, ob vorübergehende Routen in stabile Verträge überführt werden und ob in Netze und Bestände investiert wird.

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