Was passiert ist
Die Financial Times berichtet: Influencer und Models, darunter solche, die über Plattformen wie OnlyFans Geld verdienen, beantragen in den USA immer häufiger O‑1B-Visa — die Kategorie für „außergewöhnliche“ Künstler. Nach der Pandemie ist die Zahl solcher Anträge deutlich gestiegen; mittlerweile machen Influencer den Großteil der Antragstellenden in dieser Visakategorie aus.
„Nach der Pandemie ist die Zahl solcher Anträge stark gestiegen, und Popularität in den sozialen Medien wird immer häufiger als Nachweis eines professionellen Niveaus angesehen.“
— Einwanderungsanwälte und Financial Times
Daten und Kontext
Dem Bericht zufolge wurden im Jahr 2024 rund 20 000 O‑1B-Visa erteilt — das sind weniger als ein Zehntel des Gesamtvolumens der H‑1B-Visa für hochqualifizierte Arbeitskräfte. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der O‑1B um mehr als 50% gestiegen, und Influencer und Models machen mehr als die Hälfte der Antragstellenden aus.
Warum das wichtig ist (für den Leser)
Es geht nicht nur um Karrieren oder PR: O‑1B-Visa sind ein Weg, Einkünfte, Netzwerke und eine Plattform ins Ausland zu verlagern — und damit reale Devisenflüsse. Für die Ukraine hat das drei Dimensionen: wirtschaftlich (Deviseneinnahmen und Investitionen), steuerlich (Fragen der Besteuerung von Residenten und Non‑Residenten) und kulturell (was wir im digitalen Zeitalter als Kunst ansehen).
Ukrainische Dimension
Der Beitrag enthält auch lokale Daten: Ukrainische Models verdienten in drei Jahren etwa $123 Mio. auf OnlyFans. Gleichzeitig berichtete der Staatliche Steuerdienst (ДПС) über Steuerschulden von Creators, die in den Jahren 2020–2022 Inhalte veröffentlichten, in Höhe von 384,7 Mio. UAH und besteht auf der Besteuerung der Einkünfte mit einem Satz von 18 %. Das zeigt, dass finanzielle Gewinne und Fragen der Legalität/Besteuerung parallel verlaufen.
Risiken und Chancen
Eine Neubewertung der Kriterien für O‑1B ist eine Anpassung des Systems an neue Formate kreativer Arbeit. Experten sind gespalten: Einige halten das System für zeitgemäß, andere fürchten, dass die Bevorzugung von Popularität gegenüber klassischen Leistungen das Verständnis von Kunst verwässert. Für die Ukraine ist das eine Chance, ihre Soft Power zu stärken — zugleich müssen steuerliche und reputationsbezogene Fragen gelöst werden, damit die Einkünfte der Creator nicht in den Schattenwirtschaftsraum abfließen und der Gemeinschaft zugutekommen.
Fazit
Die Verwandlung sozialer Popularität in einen formalen „beruflichen“ Status im US‑Visarecht ist ein Trend, der praktische Möglichkeiten für ukrainische Creator eröffnet. Die Frage ist, ob wir diese Chancen in nachhaltigen Nutzen verwandeln können — durch transparente Steuerpolitik, Weiterbildung und institutionelle Unterstützung. Wenn nicht, werden Teile der Erträge und des Einflusses einfach außerhalb unserer Wirtschaft und unseres kulturellen Raums landen.