Als im Februar 2022 direkte Lieferungen unmöglich wurden, stoppte das deutsche Unternehmen Kilic Feintechnik GmbH aus Schwebheim sein Geschäft mit Russland nicht — es änderte einfach die Route. Ab Oktober 2022 begann Kilic Feintechnik, Waren über das gerade registrierte türkische Unternehmen Yagmur global dis ticaret limited sirketi zu verschicken. So sieht ein typisches Schema des „Premium-Schmuggels" über die Türkei aus, das The Insider und Trap Aggressor dokumentiert haben.
Jäger, die nicht jagen
Laut Zolldokumenten verkaufte Kilic Feintechnik Russland MAK-Zielfernrohre für fast 800.000 Dollar seit Beginn der Vollschutzoperation. Die offizielle Kennzeichnung der Waren lautet „nicht für militärische Verwendung". Die Realität ist anders.
«Das Schema der Lieferung deutscher Zielfernrohre nach Russland demonstriert einen systematischen Ansatz zur Umgehung von Sanktionen: von direkten Lieferungen vor der Vollschutzoperation bis zur Nutzung eines türkischen Unternehmens als Proxy nach seinem Beginn».
— Ermittlungen von Trap Aggressor / The Insider
Im September 2023 veröffentlichte Marat Sutajew — ein „ehrenhafter Teilnehmer der Militäroperation", Ausbilder für Kampfausbildung der Besatzer und Trainer für FSB und GRU — eine Rezension, in der er das MAK-Zielfernrohr Kilic – MAKpro 5 für Kampfbedingungen empfahl. Der Preis für ein solches Zielfernrohr auf dem freien Markt beträgt etwa 3.208 € zum empfohlenen Einzelhandelspreis des Herstellers.
Wer verdient in Moskau
Der wichtigste russische Distributor ist das Moskauer Unternehmen „Zentrum für elektronischen Handel" (ZEK). Nach Beginn der Vollschutzoperation stieg das Geschäft des Unternehmens: 2023 betrug der Gewinn von ZEK 1,9 Milliarden Rubel — über 22 Millionen Dollar. Die Invasion wurde für sie zu einem Wachstumspunkt.
Zwei Hubs — zwei Funktionen
The Insider dokumentiert eine klare Aufteilung der Logistik: Über China erfolgt die Massenversorgung mit Standardkomponenten, während die Türkei auf Präzisions- und Hochwerttechnik spezialisiert ist. Neben optischen Systemen gelangen über sie auch Mikrometer und Messtechnik zur Spezialzone „Alabuga" — ein Unternehmen, in dem Russland Angriffsdrohnen „Geran" herstellt.
Die Türkei ist dabei nicht die Ausnahme unter neutralen Ländern. Im Jahr 2024 gerieten mehrere türkische Unternehmen — darunter Belluga Trading, ETASIS, IDA Elevator und LSS Global — auf US-Sanktionslisten, weil sie Russland Maschinen, schwere Industrieausrüstung und Logistikdienstleistungen lieferten.
- Azint Elektronik — wurde von den USA sanktioniert, weil es integrierte Schaltkreise nach Russland lieferte.
- Smart Techno Group — wurde sanktioniert, weil es Tantalumkondensatoren verschickte — eine kleine, aber kritische Komponente für Militärelektronik.
- Yagmur global dis ticaret — registriert in Ankara, Vermittler zwischen Kilic Feintechnik und dem Moskauer ZEK.
Warum Berlin schweigt
Das Unternehmen wechselte zu einem türkischen Vermittler, nachdem direkte Versendungen aufgrund von Sanktionen problematisch wurden. Viele solcher Vermittler wurden erst kürzlich gegründet — dies unterstreicht, wie schnell neue Betreiber geschaffen werden können, um die russische Nachfrage zu befriedigen. Kilic Feintechnik antwortete nicht auf Anfragen von Journalisten.
Die Frage bleibt offen: Wird die EU gezielt Sanktionen gegen den Hersteller selbst — Kilic Feintechnik GmbH — einführen, wenn Zolldokumente bereits öffentlich zugänglich sind und das Schema von zwei unabhängigen Medien dokumentiert wurde?