Was passiert ist
Am 12. und 13. Februar fanden in der Zentrale des kommunalen Unternehmens «Київтеплоенерго» Ermittlungsmaßnahmen des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) statt. Laut der Kiewer Stadtverwaltung entnehmen die Ermittler Dokumente, die „irgendwie mit der Vorbereitung der Heizperiode oder der Wiederherstellung der Energieversorgung zusammenhängen“, darunter Projektentwürfe noch nicht abgeschlossener Verträge und technische Unterlagen zur Wiederherstellung beschädigter Anlagen und zum Anschluss neuer Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.
„Seit zwei Tagen sammeln SBU-Vertreter im Unternehmen alle Dokumente, die irgendwie mit der Vorbereitung der Heizperiode oder der Wiederherstellung der Energieversorgung zusammenhängen. Es werden sogar Entwürfe noch nicht abgeschlossener Verträge sowie Exemplare technischer Unterlagen zur Wiederherstellung beschädigter Objekte und zum Anschluss neuer Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen beschlagnahmt.“
— Pressestelle der Kiewer Stadtverwaltung
Die Stadtverwaltung erklärt, die Ermittlungsmaßnahmen hätten „die Arbeit des Unternehmens gelähmt“ und die Wiederherstellung der Wärmeversorgung für 2600 Häuser gefährdet, die nach dem Beschuss am 12. Februar ohne Heizung geblieben sind. Das Unternehmen selbst wertete die Maßnahmen als politischen Druck.
Kontext: warum das jetzt geschieht
Seit Ende Dezember greifen russische Angriffe systematisch Energieanlagen in Kiew an – infolge der Schläge sind alle drei Heizkraftwerke der Hauptstadt außer Betrieb. Als Reaktion stellte das Energieministerium Probleme bei der Vorbereitung der Stadt auf Angriffe fest:
„Charkiw hat sich vorbereitet. Es gibt mobile Kessel, es gibt eine entsprechende dezentrale Erzeugung. Kiew war leider deutlich schlechter vorbereitet – ich würde sagen, gar nicht vorbereitet.“
— Denys Shmyhal, Erster Vizepremier und Energieminister
Daraufhin richtete das Energieministerium einen Stab zur Beseitigung der Folgen der Angriffe in Kiew ein.
Mögliche Ursachen und Folgen
Die Situation vereint zwei akute Probleme: die Notwendigkeit einer schnellen Wiederherstellung der Infrastruktur und die Notwendigkeit, Dokumente zu kontrollieren, die die Sicherheit, Beschaffungen oder technische Entscheidungen betreffen können. Wenn die beschlagnahmten Dokumente Reparaturarbeiten oder die Freigabe von Anschlüssen von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verzögern, wird sich das direkt auf die Zeitpläne für die Wiederherstellung der Wärme auswirken.
Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass die Ermittlungsmaßnahmen darauf abzielen könnten, Lieferketten, die Übereinstimmung von Projekten mit technischen Anforderungen oder mögliche Verstöße bei Beschaffungsverfahren zu prüfen – das schließt jedoch nicht das Risiko für dringende Wiederherstellungsarbeiten aus. Gleichzeitig müssen Öffentlichkeit und Journalisten darauf achten, dass die Untersuchungen nicht zum Instrument werden, um Reparaturen zu verzögern.
Was die Behörden tun müssen
Es sind drei einfache Dinge nötig: eine schnelle und transparente Erklärung der SBU über Gegenstand und Zweck der Durchsuchungen; operative Mechanismen, die es erlauben, Wiederherstellungsarbeiten unter der Aufsicht der Ermittler fortzusetzen; und ein öffentlicher Bericht des Energieministeriums und der Kiewer Stadtverwaltung über die Folgen der Beschlagnahmung von Dokumenten für die Zeitpläne der Anschlusswiederherstellung der Häuser.
Es geht jetzt nicht nur um das rechtliche Verfahren – es geht darum, wie man die Sicherheit der Ermittlungen mit dem wichtigsten Bedürfnis der Menschen verbindet: rechtzeitiger Wärme. Ob es gelingt, einen Ausgleich zwischen diesen Aufgaben zu finden, wird bestimmen, wie schnell die Wärme zu den Bewohnern Kiews zurückkehrt.