Was das für Ukrainer in Polen und den Arbeitsmarkt in der Ukraine bedeutet
Das Ministerium für Familie, Arbeit und Sozialpolitik Polens (MRPiPS) hat einen Verordnungsentwurf mit einer Liste von 329 Berufen in 37 Basiskategorien vorgelegt, in denen ein Fachkräftemangel festgestellt wurde. Ziel des Dokuments ist es, die Verfahren zur Legalisierung von Arbeit zu beschleunigen und Arbeitgebern die Personalsuche zu erleichtern.
"In diesen Berufen wurden im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 33.000 Arbeitslose registriert, während die Zahl der offenen Stellen 29.000 erreichte. Außerdem wurden in diesem Zeitraum mehr als 100.000 Dokumente zur Legalisierung der Arbeit von Ausländern ausgestellt, was auf eine anhaltend hohe Nachfrage der Arbeitgeber nach ausländischen Arbeitskräften in diesen Berufen hinweist"
— MRPiPS (Begründung des Verordnungsentwurfs)
Auf der Liste stehen unter anderem Ingenieure (Technologen, Bauingenieure, Mechaniker, Elektriker), verschiedene Kategorien medizinischen Personals (Ärzte ohne abgeschlossene Facharztausbildung, Pflegekräfte, Hebammen), IT‑Spezialisten (Anwendungsprogrammierer, Entwickler und Datenbankadministratoren) sowie technische und Serviceberufe — Dachdecker, Installateure, Bediener von Energieanlagen, Bus- und Straßenbahnfahrer.
Eine verfahrensrechtliche Detailangabe: Der Verordnungsentwurf soll 14 Tage nach der Veröffentlichung im Gesetzesblatt in Kraft treten. Das bedeutet, dass die Änderungen relativ zügig wirksam werden können — sowohl für den polnischen Arbeitsmarkt als auch für diejenigen, die bereits im Ausland nach Möglichkeiten suchen.
Laut offiziellen Angaben arbeiteten Ende Dezember 2025 in Polen legal fast 1,29 Mio. Ausländer (ein Jahr zuvor — 1,19 Mio.). Die größte Gruppe bleiben Staatsangehörige der Ukraine — etwa 857.000 Personen.
Expertinnenblick: Ella Libanova, Direktorin des Instituts für Demographie und Sozialforschung der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, betont, dass in der Ukraine bereits ein Fachkräftemangel besteht und das Land langfristig sowohl die Rückkehr eines Teils der Fachkräfte als auch die Einführung innovativer Politiken zur Bindung und Ausbildung von Personal benötigen wird.
Was das bringt und welche Risiken bestehen: Für ukrainische Arbeitskräfte — schnelleren Zugang zu Arbeit und Legalisierung, stabilere Einkommen und die Möglichkeit, Qualifikationen auszubauen. Für die Ukraine — Zuflüsse an Devisen durch Arbeitsmigration und zugleich das Risiko eines vorübergehenden Verlusts von Teilen des Personals in kritischen Sektoren. Das ist nicht nur Statistik — es geht um Arbeitssicherheit, Geldtransfers und Personalpolitik.
Fazit: Die Entscheidung Polens kann für viele Ukrainer eine praktische Ressource sein, stellt aber zugleich die Frage, wie die Interessen der Arbeitsmigranten mit den Bedürfnissen des heimischen Arbeitsmarktes auszubalancieren sind. Nun sind die ukrainischen Regierungsvertreter und die Wirtschaft gefragt — ob sie den Migrationsstrom in ein Instrument für Wiederaufbau und Entwicklung verwandeln können.