In der großen Diplomatie sind stille Absprachen wichtig
Bei einem Treffen der Verteidigungsminister in Polen haben sich fünf Länder mit den größten Verteidigungsbudgets Europas – Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Großbritannien – darauf geeinigt, ihre Ressourcen zu bündeln, um kostengünstige, skalierbare Mittel der Luftabwehr zu schaffen. Die Initiative heißt Low-Cost Effectors and Autonomous Platforms (LEAP) und zielt nach Angaben des polnischen Verteidigungsministeriums und Reuters darauf ab, die Entwicklung und die Fertigungsanlaufzeiten solcher Systeme zu beschleunigen.
Was angekündigt wurde und welche Fristen
Die offizielle Erklärung betont das Streben nach Tempo: beim britischen Minister für Verteidigungsbereitschaft Luke Pollard sind Pläne zu hören, die Produktion „innerhalb von 12 Monaten“ zu starten. Gleichzeitig präzisiert Reuters, dass das erste Projekt im Rahmen von LEAP spätestens 2027 umgesetzt sein soll – es geht also um eine parallele Arbeit an Prototypen und längerfristigen Projekten.
„Es geht um Verpflichtungen in Millionenhöhe in Pfund und Euro … wir hoffen sehr, dass dies in Form eines Wirkmittels resultiert, das innerhalb von 12 Monaten in Produktion genommen wird.“
— Luke Pollard, Minister für Verteidigungsbereitschaft und Verteidigungsindustrie (Großbritannien)
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Die Ökonomie verwandelt die Verteidigung: 2023 rechnete die New York Times vor, dass der Abschuss eines einzelnen „Shahed“ mit einer Rakete mehrere Male teurer ist als die Drohne selbst – etwa $20 000 für das UAV gegenüber $140 000 bis $500 000 für Raketen wie die S-300 oder NASAMS. Massenproduktion günstiger Effektoren und Abfangmittel verändert diese Rechnung – sie ermöglicht, den Luftraum nicht mit einzelnen teuren Abfängen, sondern mit einer Serie kostengünstiger Lösungen zu schützen.
Ukrainische Erfahrungen haben gezeigt, dass günstigere Abfangmittel und Abfangdrohnen (geschätzte Spannen $1 500–$16 000) effektive Bestandteile eines Verteidigungssystems sein können, sofern sie richtig mit Sensorik und Kommando‑ und Kontrollsystemen integriert werden. Daher stärkt LEAP potenziell nicht nur die Verteidigungsfähigkeit Europas, sondern schafft auch Möglichkeiten für Lieferungen und Zusammenarbeit mit der Ukraine.
Finanzielle Kalkulation und technologische Risiken
Die Vorteile sind offensichtlich: geringere Kosten pro Abfang, Skalierbarkeit und die Möglichkeit zur Standardisierung. Aber die Risiken sind ebenfalls real: die Koordination von Industrie‑Lieferketten in fünf Ländern, die Kompatibilität mit bestehenden Luftabwehrsystemen, Fragen der Zertifizierung und Logistik sowie die Zeit – selbst schnelle Projekte benötigen Tests und Anpassungen an die Einsatzbedingungen.
„Das ist die Herausforderung unserer Zeit – die Technologien verändern sich, und wir müssen sehr schnell reagieren.“
— Władysław Kosiniak‑Kamysz, Verteidigungsminister (Polen)
Fazit
Die LEAP‑Initiative ist keine sofortige Lösung des Problems, aber ein wichtiger struktureller Schritt: Länder mit großen Verteidigungsbudgets wollen das Verhältnis von Kosten und Wirkung in der Luftabwehr verändern. Für die Ukraine lautet die entscheidende Frage schlicht: Werden diese Ambitionen in Serienverträge und praktische Lieferungen umgesetzt? Davon hängt ab, wie schnell günstige Effektoren helfen können, kostengünstige und massenhafte Bedrohungen einzudämmen.