In der sechsten Folge des Podcasts „Kriegsgelder" auf dem YouTube-Kanal „LIGA Business" erklärte der Militär und ehemalige Banker Andrij Onistrat, dass er die jüngsten Korruptionsskandale im Verteidigungsbereich als persönlichen Missgriff des Präsidenten bewertet und nicht einfach als Systemversagen im Beschaffungswesen.
Nach Aussage von Onistrat werden Milliarden-Verträge in der Rüstung während eines Vollkriegs automatisch zu einer politischen Vertrauensfrage, wenn es um den Verdacht der Mittelverschleppung geht – unabhängig davon, ob ein Gericht dies bestätigt oder nicht.
Umfang des Problems: nicht einzelne Fälle, sondern systemisches Risiko
Onistrat betonte, dass es sich nicht um einzelne Vorfälle handelt, sondern um ein System, das die Fähigkeit des Staates beeinträchtigen kann, Waffen rechtzeitig und zu angemessenen Preisen zu beschaffen. Nach seinen Worten ist jede Hrywnja, die ineffizient ausgegeben oder durch Bestechungsgelder abgezweigt wird, eine echte Granate oder Flugabwehrrakete, die die Ukraine in dem Moment nicht erhält, wenn Russland massive Angriffe mit reaktiven „Shahed"-Drohnen verstärkt.
Gleichzeitig betonte er, dass ein Korruptionsverdacht noch kein Urteil ist und die abschließende Bewertung durch Ermittlungen und Gerichte erfolgen muss. Doch selbst während der Ermittlungsphase sind Reputationsschäden für die Behörden völlig real und messbar – im Vertrauen von Partnern, Verbündeten und Steuerzahlern.
Flugabwehrdefizit als Folge systemischer Ausfälle
Im Hinblick auf die Bereitschaft der Ukraine auf massive Anschläge erklärte Onistrat, dass das Defizit an Luftabwehrmitteln teilweise damit zusammenhängt, wie Verteidigungshaushalte ausgegeben und geplant werden. Wenn Beschaffungsprozesse intransparent bleiben, wirkt sich dies direkt auf die Geschwindigkeit und das Volumen der Lieferungen von Flugabwehrsystemen aus.
Jeder Korruptionsfall in der Rüstung ist nicht nur gestohlenes Geld, sondern eine verzögerte Lieferung, die sich physisch darauf auswirkt, wie viele „Shaheds" wir beim nächsten Mal abschießen können.
Lebensmittelpreise und Logistik unter Beschuss
Onistrat bewertete auch mögliche Folgen russischer Anschläge auf Lager und Logistik-Hubs – nach seinen Worten könnte dies nicht nur zu lokalen Preissteigerungen führen, sondern auch zu Versorgungsengpässen bei einzelnen Produktkategorien in einigen Regionen.
Er erklärte, dass der Übergang der Ukraine in den sogenannten „Sparbetrieb" für Unternehmen bedeuten würde, sich schnell an neue Bedingungen anpassen zu müssen – von Logistikrouten bis zur Steuerlast.
Warum Gesetze, die für internationale Hilfe notwendig sind, blockiert werden
Onistrat machte besonders darauf aufmerksam, dass einige Gesetzentwürfe, die für den Erhalt von Tranchen internationaler Hilfe kritisch wichtig sind, seit Jahren im Parlament stecken bleiben. Nach seiner Bewertung ist dies keine technische Verzögerung, sondern das Ergebnis politischer Interessen einzelner Abgeordneter, die nicht eilig sind, Entscheidungen zu treffen, die ihre Möglichkeiten zur Beeinflussung von Finanzströmen einschränken.
Wenn diese Gesetzentwürfe weiterhin blockiert werden und sich Korruptionsskandale im Verteidigungsbereich wiederholen, sind internationale Partner dann bereit, der Ukraine weiterhin Milliarden ohne straffere Kontrollbedingungen zuzuweisen?