Die Internationale Eislauf-Union (ISU) hat Kamila Waliyewa schriftlich über den Entzug ihres Status als neutrale Athletin informiert – ein Dokument, das es Russen ermöglichte, an internationalen Wettbewerben ohne Flagge und Hymne der RF teilzunehmen. Dies berichtet Reuters unter Berufung auf eine informierte Quelle. Weder die ISU noch die Umgebung der Eiskunstläuferin kommentieren die Entscheidung.
Formal sollte der „neutrale Status" ein Filter sein: Ein Athlet erhält ihn nur, wenn er den Krieg nicht öffentlich unterstützt und nicht mit der Armee oder den Sicherheitsstrukturen Russlands verbunden ist. In der Praxis passierte eine Athletin, die in der Schule von Tatjana Nawka – der Ehefrau des Putins Pressesprechers Dmitri Peskow – trainiert, das System leicht. Dies war genau der Grund für die Beschwerde der Ukrainischen Eislauf-Verbandes, der die ISU aufforderte, nicht nur formale Fragebogenprüfungen durchzuführen, sondern ständige Überwachung zu betreiben.
Praktische Konsequenz für Verbände
Die Entscheidung zeigt einen Mechanismus, den auch andere ukrainische Sportverbände nutzen können: nicht ein abstraktes Ersuchen „Russen nicht zulassen", sondern eine konkrete rechtliche Beschwerde mit Nachweisen für die Zugehörigkeit des Athleten – familiär, trainerstab, finanziell – zum Staatsapparat der RF. Die ISU reagierte genau auf dieses Argument und nicht auf die allgemeine Position zum Krieg.
Dies schafft einen Präzedenzfall für die Überprüfung anderer „neutraler" Russen vor Starts – von Skisportarten bis zum Fechten, wo das IOC und Verbände ein ähnliches Zulassungssystem verwenden.
Hintergrund, den die ISU nicht ignorieren konnte
Waliyewa hatte bereits eine Dopinggeschichte: In einer Probe vom 25. Dezember 2021 wurde Trimetazidin gefunden, ein Medikament, das die Sauerstoffaufnahme durch das Herz verbessert. Der Sportschiedsgerichtshof erlaubte ihr damals, bei der Olympiade 2022 nur wegen ihres Alters – des Status einer „geschützten Person" bis 16 Jahre – zu starten. Sie ist jetzt 19 Jahre alt, und dieser rechtliche Schutz gilt nicht mehr.
Das Außenministerium der Ukraine forderte nach der Entscheidung des IOC im Juli, die Beschränkungen für Russen aufzuheben, die Gastgeberländer von Turnieren auf, die Zur-Schau-Stellung der Staatssymbole der RF auf ihrem Territorium nicht zu gestatten.
Die Frage ist, ob der Fall Waliyewa eine einmalige Ausnahme unter dem Druck einer konkreten Beschwerde bleibt oder ob die ISU wirklich ständige Überwachung einführt, wie der ukrainische Verband forderte. Falls nicht – müsste der nächste Russe mit einer ähnlichen Biografie wieder „manuell gefangen" werden, Beschwerde für Beschwerde.