Am Samstag, dem 5. September, führten die Sonderbeauftragte des US-Präsidenten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau mehr als drei Stunden Verhandlungen mit Wladimir Putin. Putins Assistent Juri Uschakow bezeichnete das Gespräch nach dem Treffen als „inhaltsvoll, konstruktiv und äußerst offen" und präzisierte, dass es 3 Stunden und 10 Minuten dauerte. Das Problem ist jedoch, dass keine dieser Charakterisierungen eine Verpflichtung darstellt, sondern lediglich die Bewertung des Kremls des eigenen Gesprächs.
Was ist tatsächlich geschehen
Formal ist die Tatsache des Treffens bestätigt: Der Kremlin führte am Samstag, dem 5. September, über drei Stunden Verhandlungen mit zwei US-Vertretern – Steve Witkoff und Jared Kushner. Doch nach Abschluss des Gesprächs machten die amerikanischen Gesandten keine öffentlichen Stellungnahmen und verließen Moskau sofort. Der Kremlin bezeichnete die Verhandlungen als „äußerst wichtig", berichtete aber von keinem konkreten Durchbruch.
Das Weiße Haus war in seinem Kommentar vorsichtiger als die Russen: Das Gespräch wurde als „inhaltsvoll" beschrieben, und über nächste Schritte versprach man, nur „in den kommenden Wochen" zu berichten – eine Formulierung, die weder Inhalt noch Zeitrahmen festlegt.
Uschakows Erklärung versus ihre tatsächliche Bedeutung
Die Liste der Thesen, die Uschakow als Ergebnis des Treffens vortrug, sieht wie ein Aktionsplan aus, ist aber tatsächlich lediglich eine Zusammenfassung der Position einer Seite:
- Witkoff und Kushner haben angeblich „zur Kenntnis genommen" und versprochen, bei zukünftigen Verhandlungen in Kiew genau Putins Bewertungen bezüglich Lösungswege zu berücksichtigen – das heißt, sie bringen nach Kiew einen russischen Rahmen und keinen abgestimmten Kompromiss;
- Putin bestand auf der „Beseitigung aller Grundursachen" des Konflikts – eine Formulierung, die Russland seit Jahren zur Rechtfertigung maximalistischer Forderungen nutzt und die keine vereinbarte Definition hat;
- Der Diktator betonte die „Erfolge" der russischen Streitkräfte und seine Zuversicht, die Kriegsziele zu erreichen – eine These für das Inland, nicht für Verhandlungen;
- Ein separater Punkt im Bericht enthält den Satz, dass das „Kiewer Regime aufgehört hat, seine Natur zu verbergen, indem es Nazis umbestattet" – eine rhetorische Einfügung ohne konkrete Details, die das diplomatische Protokoll aus irgendeinem Grund auf einer Ebene mit Punkten zur Konfliktbeilegung festhält.
Der letzte Punkt ist bezeichnend: Wenn eine Propagandaformel in den offiziellen Verhandlungsbericht neben Verweisen auf „große russisch-amerikanische Projekte" aufgenommen wird, bedeutet das, dass die Grenze zwischen diplomatischem Protokoll und Fernsehrhetorik für Moskau längst verwischt ist.
Implementierungsmechanismus – oder dessen Fehlen
Es gibt weder eine gemeinsame Erklärung, noch ein unterzeichnetes Dokument, noch eine abgestimmte Tagesordnung als Ergebnis des Treffens. Es gibt nur eine einseitige Zusammenfassung des Kremls und das Versprechen des Weißen Hauses, Einzelheiten später mitzuteilen. Nach Informationen von Quellen, die mit den Verhandlungen vertraut sind, brachten die vorherigen Reisen von Witkoff und Kushner nach Russland keinen Fortschritt, und Moskaus Anforderungen werden zunehmend härter, da der Kremlin der Ansicht ist, dass er militärische Überlegenheit hat. Es ist unklar, ob die amerikanischen Gesandten überhaupt neue Ideen mitbrachten, die die Verhandlungen aus dem Stillstand bringen könnten.
Putin machte während des Treffens auch deutlich, dass er sich nicht an Kiewers Initiativen gebunden erachtet: Er erklärte, dass der Appell der ukrainischen Behörden für einen ausgedehnteren dreitägigen Waffenstillstand niemals mit Moskau abgestimmt wurde. Dies ist eine direkte Illustration dafür, dass selbst teilweise humanitäre Vorschläge Russland ohne Erklärung ablehnt – und genau das wird als Teil von Putins „Bewertungen" nach Kiew gehen.
Was kommt als Nächstes
Die nächste Etappe für Witkoff und Kushner ist Kiew, wohin sie bereits am 6. September ankommen sollen. Falls sie dort nur eine Zusammenfassung der Moskauer Position zu den „Grundursachen" und eine Wiederholung der These von „null Angriffen auf Kiew" als Geste des guten Willens präsentieren, wird dies eine weitere Kontaktrunde ohne Folgen sein – einfach die dritte nach den vorherigen erfolgslosen Reisen. Die Frage, die man bereits morgen stellen sollte: Werden die Amerikaner nach Kiew wenigstens einen auf Papier fixierten und von beiden Seiten bestätigten Punkt bringen, oder wird es wieder nur um eine „konstruktive Atmosphäre" gehen, die jede Seite nach ihrer eigenen Auslegung versteht.