Ukrzaliznytsia setzt Kuponzahlungen auf Euroanleihen aus — Schritt zur Sicherung der Liquidität und zum Beginn der Restrukturierung

Das größte Transportunternehmen der Ukraine hat vorübergehend Kuponzahlungen in Höhe von 45 Mio. USD nicht ausgezahlt: Die Entscheidung wird als technische Pause bei der Vorbereitung einer umfassenden Schuldenrestrukturierung dargestellt. Wir erklären, warum das für die Wirtschaft, die Logistik und die Steuerzahler wichtig ist.

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Zur Entscheidung

AT «Укрзалізниця» teilte mit, dass es Kuponzahlungen in einer Gesamthöhe von $45 Mio. nicht leisten wird, die am 9. und 15. Januar für zwei Eurobond‑Tranchen mit Fälligkeit Juli 2026 bzw. November 2028 hätten gezahlt werden sollen. Die Information wurde vom Emittenten Rail Capital Markets plc an der Börse Euronext veröffentlicht.

Warum das geschah

Laut Vorstandsvorsitzendem Oleksandr Perzovskyi ist die Aussetzung der Kuponzahlungen der Beginn von Verhandlungen mit Inhabern der Schuldinstrumente über eine umfassende Restrukturierung der Schulden. Das Unternehmen hat Finanz‑ und Rechtsberater zur Vorbereitung dieses Prozesses hinzugezogen.

„Kürzlich befand sich auch unser Souverän, die Ukraine, in derselben Lage in Bezug auf BIP‑Warrants... Die Ukraine hat eine, vom Markt als ziemlich erfolgreich angesehene, effiziente Restrukturierung durchgeführt und ist daraus hervorgegangen, wobei den Steuerzahlern erhebliche Mittel erspart wurden. Wir befinden uns im Grunde genommen auf einer solchen Spur.“

— Oleksandr Perzovskyi, Vorstandsvorsitzender AT «Укрзалізниця»

Kontext: Krieg, Infrastruktur, Einnahmen

Im Jahr 2025 verzeichnete das Unternehmen 1195 Angriffe auf seine Infrastruktur — mehr als in den Jahren 2023 und 2024 zusammen. Dies erfordert erhebliche Ressourcen für die Wiederherstellung von Strecken, rollendem Material und Logistik. Gleichzeitig weist UZ auf einen systematischen Rückgang der Güterströme in den Sektoren Kohle und Metallurgie sowie auf Erschwernisse beim Export infolge von Angriffen auf Häfen hin.

Finanzkennzahlen und Verpflichtungen

Unter den aktuellen Bedingungen müsste das Unternehmen im Verlauf des Jahres 2026 fast $800 Mio. zahlen — eine Summe, die man bei UZ unter Kriegsbedingungen für unrealistisch hält. Die Hauptschuld aus Eurobonds beläuft sich auf rund $703,2 Mio. (Fälligkeit 2026) und $351,9 Mio. (Fälligkeit 2028).

„Das ist eine selektive Pause bei teuren Schuldinstrumenten, um die Liquidität in einer Zeit nicht auszubluten, in der Ressourcen kritisch benötigt werden.“

— Oleksandr Perzovskyi, Vorstandsvorsitzender AT «Укрзалізниця»

Auswirkungen auf den operativen Betrieb und öffentliche Verpflichtungen

Ukrzaliznytsia betont, dass die Entscheidung den operativen Betrieb nicht beeinträchtigen werde: Das Unternehmen werde weiterhin Gehälter, Steuern und Abgaben zahlen und Verpflichtungen gegenüber internationalen Finanzorganisationen bedienen, die konkrete Zielprojekte finanzieren.

Was das für Markt und Bürger bedeutet

Erstens ist dies ein Beispiel für die Priorisierung der nationalen Sicherheit und der Widerstandsfähigkeit der Logistik: In Zeiten erhöhter infrastruktureller Risiken hat die Bewahrung von Liquidität direkten Einfluss auf die Fähigkeit, Güter zu transportieren und beschädigte Abschnitte wiederherzustellen.

Zweitens ist es für Investoren ein Signal für den Beginn eines Verhandlungsprozesses, in dem verschiedene Szenarien möglich sind: weitere Zahlungsaufschübe, Änderungen der Kuponpolitik oder eine Kapitalstruktur mit teilweiser Tilgung/Umtausch. Analysten halten technische Kupon‑Ausfälle unter solchen Umständen oft für gängige Marktpraxis und nicht für einen Schritt in den vollständigen Kollaps des Emittenten.

Wie es weitergeht

Die kommenden Wochen werden von Verhandlungen mit den Bondgläubigern und den Maßnahmen der Berater von UZ geprägt sein. Entscheidend ist, ob eine Restrukturierung vereinbart werden kann, die die Interessen der Gläubiger, die Erhaltung der operativen Leistungsfähigkeit und die Minimierung des Drucks auf den Staatshaushalt ausbalanciert. Für die Bürger ist es wichtig, zwei Dinge zu beobachten: ob die regelmäßigen Personen‑ und Güterverkehrsleistungen erhalten bleiben und wie sich die Änderungen auf die Belastung der Steuerzahler auswirken.

Fazit: Das ist kein „Ende“, sondern der Beginn von Verhandlungen unter schwierigen Bedingungen. Wie transparent und zügig die Verhandlungen verlaufen, wird sowohl die finanzielle Stabilität der UZ als auch die Fähigkeit des Netzes beeinflussen, die für Wirtschaft und Verteidigung des Landes kritische Logistik aufrechtzuerhalten.

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