Die Europäische Union arbeitet an einem sogenannten „Minipaket" von Sanktionen gegen Russland, das bereits am 15. Juni verabschiedet werden könnte. Hauptziel sind chinesische Lieferanten, die den russischen militärisch-industriellen Komplex mit Komponenten und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck versorgen.
Nach Informationen von Quellen in Brüssel ist das Paket bewusst auf eine begrenzte Liste von Akteuren beschränkt, um langwierige Absprachen zwischen den Mitgliedstaaten zu vermeiden. Dies ist eine typische Taktik der Europäischen Kommission, wenn ein Konsens über eine größere Version des Pakets in kurzer Zeit nicht erreichbar ist: Es ist besser, etwas Kleines zu verabschieden, als alles zu blockieren.
Das Problem ist, dass der „punktuelle" Ansatz offensichtliche Grenzen hat. Chinesische Unternehmen, die auf die Liste kommen, können schnell durch verbundene Strukturen ersetzt werden – ein Schema, das Peking seit 2022 perfektioniert hat. Ohne einen Mechanismus zur automatischen Ausweitung der Liste und realen Druck auf vermittelnde Banken riskieren die Sanktionen, nur eine symbolische Geste zu bleiben.
Gleichzeitig ist die Tatsache, dass chinesische Lieferanten in einem EU-Sanktionsdokument direkt genannt werden, selbst ein Präzedenzfall. Bisher hat Brüssel eine direkte Zuschreibung an Peking im Zusammenhang mit der Unterstützung des russischen militärisch-industriellen Komplexes vermieden und sich auf allgemeine Vorbehalte über „Sanktionsumgehung durch Drittländer" beschränkt.
Parallel dazu wird in der Europäischen Kommission auch ein vollständiges 18. Sanktionspaket diskutiert – ein wesentlich umfassenderes. Aber seine Verabschiedung wird durch die Position mehrerer Mitgliedstaaten behindert, die eine Eskalation der Handelsspannungen mit China vor dem Hintergrund bereits bestehenden Drucks durch die USA befürchten.
Falls das „Minipaket" am 15. Juni ohne einen Kontrollmechanismus gegen die Umgehung von Beschränkungen verabschiedet wird – wird es ein echtes abschreckendes Signal für Peking sein oder wird es der EU nur ermöglichen, über „Maßnahmen" zu berichten, ohne substanziell etwas zu ändern?