Im Winter bereiten sich die Stromnetzbetreiber auf Raketen und Frost vor. Im Sommer droht eine andere – und nahezu friedliche – Gefahr: Klimaanlagen. Wetterfachleute versprechen für die nächste Woche extreme Hitze, und im Energieministerium geht man davon aus, dass dies den Stromverbrauch in der Ukraine um etwa 1 GW erhöhen könnte. Zum Vergleich: Das ist die ungefähre Last eines durchschnittlichen Gebietszentrums.
Der erste Vizepremierminister und Energieminister Denis Schmygal berichtete, dass er eine Abstimmungssitzung mit „Ukrenergo", „Energoatom", „Ukrhydroenergo", „Naftogaz" und der Nationalen Kommission für Elektrizität, Wärme und Gas durchgeführt hat, um die Maßnahmen genau für diesen Zeitraum zu koordinieren – wenn extreme Hitze mit geplanten Reparaturen von Stromerzeugungskapazitäten zusammenfällt.
Was wird bereits jetzt geändert
Nach Angaben von Schmygal wurden die Reparaturpläne für Stromerzeugungsanlagen, insbesondere für AKW-Blöcke, korrigiert – um Kapazitäten nicht genau dann vom Netz zu nehmen, wenn die Nachfrage wächst. Parallel wird eine Entscheidung zur Erhöhung der Stromimportmengen vorbereitet, wobei nicht nur der Staat, sondern auch Unternehmen mit Anreizen angeboten wird, Importe für ihren eigenen Verbrauch unabhängig zu erwerben.
Die dritte Richtung ist die maximale Nutzung der inländischen Stromerzeugung: zusätzliche Gas- und verfügbare Wärmekraftwerkskapazitäten sollen die Last übernehmen, wenn Atom- und Wasserkraftwerke die Spitzenlast nicht decken.
Wer wird Einschränkungen spüren, wenn die Berechnung nicht aufgeht
Ein wichtiger Vorbehalt: „Ukrenergo" bereitet sich bereits auf eine mögliche Anwendung von Leistungsbegrenzungsplänen vor, und diese werden nicht private Verbraucher betreffen, sondern Industrie und Unternehmen. Das heißt, im Falle eines plötzlichen Verbrauchssprungs werden zunächst Betriebe und nicht Wohnungen mit gewöhnlichen Klimaanlagen begrenzt.
Schmygal rief zu „vernünftigem und sparsamen Verbrauch" besonders in den Abendspitzenstunden auf – von 16:00 bis 23:00 Uhr, wenn sich Tageshitze und abendlicher Haushaltsverbrauchsspitzenlast überlagern. Formal ist dies eine Bitte, aber faktisch ein Signal an Unternehmen, energieintensive Prozesse außerhalb dieses Zeitfensters zu planen, falls möglich.
Die Frage bleibt offen: Ob die korrigierten Reparaturpläne für AKWs und zusätzliche Importe ausreichen werden, um Einschränkungen für die Industrie zu vermeiden – oder ob die Hitze der nächsten Woche der erste echte Test des Systems wird, ohne dass in diesem Sommer Begrenzungspläne angewendet werden.