Regierungsentscheidung — in zwei Sätzen
Am 7. Januar hat das Kabinett den Entwurf des neuen Arbeitsgesetzbuches verabschiedet, an dem das Wirtschaftsministerium mehr als zwei Jahre in Partnerschaft mit Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaftlern und internationalen Partnern gearbeitet hat. Das Dokument soll die bislang auf dem Kodex von 1971 basierenden Arbeitsregeln erneuern und den Arbeitsmarkt auf moderne Beschäftigungsformen vorbereiten.
„Das Dokument ist einer der Schlüsselsschritte zur Umsetzung der Beschäftigungsstrategie bis 2030. Wir wollen den Arbeitsmarkt inklusiver gestalten und Menschen in wirtschaftliche Aktivität einbinden, die heute oft außen vor bleiben: Frauen, junge Menschen, Veteranen und Menschen mit Behinderungen“,
— Yuliia Svyrydenko, Premierministerin der Ukraine
Warum das gerade jetzt wichtig ist
Der Arbeitsmarkt hat sich verändert — es gibt Fernarbeit, Teilzeitbeschäftigung, kombinierte Formate. Die für die Industriegesellschaft formulierten Regeln spiegelten die Realität nicht mehr wider. Die Erneuerung des Kodex hat drei praktische Folgen für die Bürger:
- rechtliche Klarheit — weniger Grauzonen beim Beschäftigungsstatus;
- Bekämpfung der Schattenwirtschaft — das Wirtschaftsministerium schätzte zuvor das Potenzial der Legalisierung auf etwa 43 Mrd. UAH pro Jahr;
- Eurointegration — im Dokument ist die Umsetzung von mehr als 30 EU-Richtlinien und Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) vorgesehen, was die Synchronisation mit dem europäischen Arbeitsmarkt erleichtert.
Sieben Schlüsseländerungen (kurz)
- Acht Kriterien für Arbeitsverhältnisse. Das schafft klare Kriterien zur Unterscheidung zwischen lohnabhängig Beschäftigten und unabhängigen Auftragnehmern — Verringerung rechtlicher Unsicherheit.
- Mehr Vertragsarten — von sechs auf neun. Fernarbeit (Telearbeit), Heimarbeit und nicht feste Arbeitszeiten werden offiziell geregelt; es wird möglich, mehrere Verträge mit demselben Arbeitgeber zu haben.
- Elektronische Dokumente sind Papierdokumenten gleichgestellt. Das vereinfacht die Begründung von Arbeitsverhältnissen, besonders für mobile und saisonale Beschäftigte.
- Transparenter Mechanismus für den Mindestlohn. Der Mindestlohn wird in einer Monats- und einer Stundenform vorgesehen; seine Höhe soll die Regierung als Prozentsatz des Durchschnittslohns festlegen — das bringt die Praxis näher an EU-Standards.
- Flexible Arbeitsformen und Elternrechte. Der Kodex erweitert die Möglichkeiten, Arbeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren: sowohl Mutter als auch Vater können eine zweimonatige Betreuungsfreistellung in Anspruch nehmen.
- Reform der Arbeitsinspektion. Ein risikoorientierter Prüfungsansatz wird eingeführt, der den Druck auf rechtskonforme Unternehmen reduziert und Ressourcen auf tatsächliche Verstöße konzentriert.
- Mechanismen für junge Menschen. Ein eigener Arbeitsvertrag für Schüler/Auszubildende ermöglicht die sichere Kombination von Ausbildung/Schule und erster Beschäftigung.
Kontext und Details, die man wissen sollte
Der Entwurf des Kodex ist kein endgültiger Akt, sondern ein rechtlicher Rahmen. Das Dokument geht nun zur ersten Lesung in die Werchowna Rada. Für die Umsetzung der Bestimmungen werden untergesetzliche Akte, Methoden zur Berechnung des Mindestlohns und Prüfungsverfahren nötig sein. Von der Qualität dieser technischen Arbeit hängt ab, wie schnell und schmerzfrei die Änderungen in der Praxis wirken werden.
Zusätzlich: Die Verabschiedung des Kodex wird durch jüngste Schritte im Arbeitsbereich untermauert — im April 2024 legalisierte die Werchowna Rada die Beschäftigung von Hausangestellten, und der Präsident unterzeichnete das entsprechende Gesetz. Das ist ein Signal für eine konsequente Beschäftigungsregulierung.
Was als Nächstes kommt — Prognose
Der Entwurf schafft die Möglichkeit für positive Langzeiteffekte: Einnahmen aus dem Schatten werden legalisiert, der Zugang zu sozialen Leistungen verbessert sich und die Mobilität der Arbeitskräfte steigt. Es gibt aber auch Risiken — parlamentarische politische Auseinandersetzungen, der Bedarf an schnellen technischen Lösungen und möglichen Widerstand von Seiten jener, die von der aktuellen informellen Beschäftigung profitieren.
Kurzempfehlung für die Lesenden: Wenn Sie Arbeitnehmer sind — achten Sie auf Details zu Bezahlung und Vertragsformen; wenn Sie ein Unternehmen führen — bereiten Sie interne Richtlinien zu Fern- und flexiblen Arbeitsformen vor; wenn Sie in der Verwaltung sind — sorgen Sie zügig für Mechanismen, damit das Gesetz nicht nur eine Deklaration bleibt.
Fazit. Das neue Arbeitsgesetzbuch ist ein pragmatischer Schritt hin zu einer modernen Wirtschaft und zur Eurointegration. Jetzt sind Parlament und technische Umsetzung am Zug: Aus Erklärungen müssen konkrete Regeln und Dienstleistungen werden, die Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer spüren.