Was passiert ist
Am 7. Januar unterzeichnete US-Präsident Donald Trump einen Erlass zum Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Abkommen über die Einrichtung des Ukrainischen Wissenschafts- und Technologiezentrums (УНТЦ). Diese Entscheidung ist Teil einer umfangreicheren Liste von 66 internationalen Organisationen, deren Beteiligung nach Angaben des Weißen Hauses «nicht länger den Interessen Amerikas entspricht». Informationen zu dem Erlass wurden auf der Website des Weißen Hauses veröffentlicht.
„Präsident Trump hat unmissverständlich klargemacht: Es ist nicht länger akzeptabel, diesen Einrichtungen mit hart erarbeiteten Geldern der amerikanischen Steuerzahler zu dienen, ohne praktisch etwas dafür zu bekommen. Die Zeiten sind vorbei, in denen Milliarden von Dollar der Steuerzahler im Dienst fremder Interessen über unser Volk flossen“
— Weißes Haus (Erklärung)
Wozu das УНТЦ diente
Das 1993 von der Ukraine, Kanada, den USA und Schweden unterzeichnete Abkommen richtete das УНТЦ als Mechanismus zur Kontrolle der Verbreitung von Technologien ein, die mit Massenvernichtungswaffen — nuklearen, chemischen und biologischen — in Verbindung stehen. Das Zentrum hatte zwei zentrale Aufgaben: die Verhinderung der Verbreitung und die Umorientierung von Fachkräften aus Verteidigungsprogrammen in zivile wissenschaftliche und angewandte Projekte (Energie, Umwelt, nukleare Sicherheit).
Finanzieller Schlag und praktische Risiken
Im Jahr 2024 überstieg das Budget des УНТЦ 25 Mio. US-Dollar, und im selben Jahr wurden Finanzierungen für neue Projekte in Höhe von fast 63 Mio. US-Dollar unterzeichnet. Der Austritt der USA bedeutet nicht nur einen symbolischen Schritt — er ist ein realer Verlust an Ressourcen für laufende Programme, Ausschreibungen und Verträge, die Umschulungen und Forschung ermöglichen.
Zu den praktischen Risiken gehören Verzögerungen bei der Umsetzung von Projekten zur nuklearen Sicherheit, eingeschränkte Möglichkeiten für angewandte Forschung und eine schwächere Koordination von Maßnahmen zur Nichtverbreitung. Dies trifft auch das Vertrauen internationaler Partner, die bei Entscheidungen über Zusammenarbeit die Stabilität der Finanzierung bewerten.
Die Logik der Entscheidung Washingtons
Analysen der Entscheidung deuten auf eine Kombination aus zwei Faktoren hin: politischer Rhetorik über „Einsparungen für die Steuerzahler“ und dem Bestreben, internationale Verpflichtungen im Sinne eigener strategischer Interessen umzustrukturieren. Kurzfristig ist das vorteilhaft für die innenpolitische Agenda, untergräbt aber zugleich Mechanismen zur langfristigen Kontrolle riskanter Technologien.
Was die Ukraine tun kann
Die Aufgabe für Kiew besteht nun darin, die Risiken des Finanzierungsabbruchs schnell zu minimieren. Mögliche Maßnahmen:
- rasch Ersatzfinanzierung bei Kanada, Schweden, der EU und anderen Partnern suchen;
- einen Teil der Programme auf internationale Fördermittel und Sicherheitsfonds umorientieren;
- die Transparenz und Rechenschaftspflicht des УНТЦ stärken, um Partner von messbaren Projektergebnissen zu überzeugen;
- den diplomatischen Kontakt zu amerikanischen Behörden und dem Kongress intensivieren, um Verluste zu begrenzen und möglicherweise Teile von Projekten über alternative Kanäle zu erhalten.
Experten für Nichtverbreitung weisen darauf hin: technische Programme sind gewichtiger als politische Erklärungen — von ihnen hängt die tatsächliche Sicherheit der Region ab.
Fazit
Die Entscheidung der USA ist ein Signal, das die Ukraine und ihre Partner zwingt, die Finanzierungsmodelle für Schlüsselprogramme zu überdenken. Es handelt sich nicht nur um eine diplomatische Handlung: Es ist ein Test der Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft, Instrumente zur Kontrolle riskanter Technologien angesichts politischer Veränderungen zu bewahren. Nun sind die Partner am Zug — Erklärungen müssen in unterzeichnete Verträge und konkrete Unterstützungsmechanismen überführt werden.