Kernpunkte
Das analytische Zentrum Institut für Wirtschaftsforschung und politische Beratung (ІЕД) schätzt das Wachstum des realen BIP der Ukraine im Jahr 2025 auf 2 %. Das ist ein positives Zeichen in Kriegszeiten, doch das Tempo hätte höher sein können, wenn nicht systematische Zerstörungen der Energieversorgung, der Häfen, der Eisenbahn und der Gasförderanlagen dagewesen wären.
Warum das Wachstum nur 2 % beträgt — Ursachenanalyse
Es gibt vier Hauptfaktoren, die die Wirtschaft gebremst haben:
1) Energie. Im November 2025 gehörten Stromausfälle erneut zu den drei größten Hindernissen für Unternehmen — das ist nicht nur ein Ärgernis für Haushalte, sondern ein echter Verlust an Produktionskapazitäten und zusätzliche Kosten für Ersatzenergiequellen.
2) Arbeitskräfte. Fachkräftemangel und der Weggang junger Männer (18–22 Jahre), denen die Ausreise gestattet wurde, erschwerten die Personalbeschaffung. Laut dem Wirtschaftsministerium bleibt die Arbeitslosigkeit wegen Qualifikationslücken und regionaler Disparitäten hoch.
3) Infrastrukturelle Schäden. Die großflächigen Zerstörungen an Häfen und Eisenbahn störten die Exportströme, insbesondere für Getreide und Ölsaaten, was die Deviseneinnahmen verringerte und den Druck auf die Handelsbilanz verstärkt.
4) Währungs- und Preisschocks. Die Abwertung der Hrywnja gegenüber dem Euro trieb die Kosten für importierte Rohstoffe in die Höhe, und logistische Probleme erhöhten die Produktionskosten.
„Wahrscheinlich wird in diesem Jahr nicht schnell Frieden erreicht werden, daher werden uns Herausforderungen und Unsicherheiten das ganze Jahr begleiten. Insgesamt erwarten wir, dass das Wachstum des realen BIP im Jahr 2026 nur geringfügig über 2 % liegen wird.“
— Institut für Wirtschaftsforschung und politische Beratung (ІЕД)
Was das für Menschen und Unternehmen bedeutet
Erstens, für Haushalte: das Wachstum der Realeinkommen und die Indexierung der Renten stützten die Konsumnachfrage, doch die Energieverwundbarkeit und teurere Importgüter begrenzen das reale Wachstum der Kaufkraft.
Zweitens, für Unternehmen: Maschinenbau und Metallurgie profitierten von der Nachfrage nach Rüstungsprodukten und dem Binnenmarkt, aber exportorientierte Sektoren, die auf Hafenlogistik angewiesen sind, erlebten Einbußen. Die Investitionen steigen zwar, werden jedoch teilweise durch hohe Risiken und logistische Barrieren ausgeglichen.
Drittens, für Investoren und Partner: 2 % unter Kriegsbedingungen sind ein Vertrauenssignal, doch um Absichtserklärungen in reale Investitionen zu verwandeln, sind stabile Energieversorgung, die Wiederherstellung der Logistik und Umschulungsprogramme erforderlich.
Kurzfakten, die man wissen sollte
• Im November 2025 beschleunigte sich das BIP-Wachstum auf 5,3 % gegenüber 2,3 % im Oktober — teilweise aufgrund erhöhter Haushaltsausgaben.
• Die Wirtschaft wuchs 2024 um 2,9 %.
• Positive Faktoren für Sektoren: höhere Getreideerträge, Nachfrage nach Rüstungsprodukten und gesteigerte Inlandsnachfrage nach Metallurgie.
Fazit — was nun?
Ein Wachstum von 2 % im Jahr 2025 ist ein Signal der Widerstandsfähigkeit, aber kein Grund zur Sorglosigkeit. Solange Energiesicherheit, die Wiederherstellung der Infrastruktur und Programme zur Wiederherstellung der Arbeitskräfte nicht Priorität haben, werden die Wachstumsraten begrenzt bleiben. Nun sind die Partner und staatlichen Entscheider gefordert: Werden fiskalische Impulse und angekündigte Pläne in konkrete Investitionen in Netze, Logistik und Humankapital umgesetzt?