Seit sechs Tagen in Folge suchen Rettungskräfte in Nepal nach 56 Ukrainern, die nach schweren Überschwemmungen an der Grenze zu Tibet spurlos verschwunden sind. Die Zahl der Todesopfer in der Region hat bereits 900 überschritten, und es werden etwa 4700 Menschen vermisst – diese Zahlen sinken vorerst nicht.
Warum gerade Ukrainer dort waren
Der Berg Kailash und der See Manasarovar sind kein gewöhnliches Touristenziel. Dies ist eine der am meisten verehrten spirituellen Routen Asiens, wohin hinduistische und buddhistische Pilger, sowie Alpinisten und Trekking-Enthusiasten reisen. In dem letzten Jahrzehnt wurde diese Route auch bei Ukrainern beliebt, die einen extremen oder spirituellen Erlebnis abseits ausgetretener touristischer Pfade suchen.
Gerade die hohe Konzentration ausländischer Reisender in einem schwer zugänglichen Hochgebirgsgebiet erklärt, warum sich plötzlich mehrere Dutzend ukrainische Bürger unter den Vermissten befanden – es sind nicht einzelne Touristen, sondern Teilnehmer organisierter Gruppen, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe auf der gleichen Route befanden.
Was sich derzeit vor Ort tatsächlich abspielt
Das Außenministerium betont: Kein Ukrainer befindet sich auf den Listen der Toten oder Verletzten. Aber das bedeutet nicht gute Nachrichten – es bedeutet, dass die Menschen bisher überhaupt nicht gefunden wurden, weder lebend noch tot.
Die Suchoperation hat sich in eine systematische Durchkämmung des Geländes verwandelt: Über 2000 Rettungskräfte von beiden Seiten der Grenze – von China und Nepal – durchsuchen das Gebiet zu Fuß, aus der Luft und vom Wasser aus. Sie setzen Hunde und Geräte zur Lebenszeichenerkennung ein. An den Einsatzorten werden persönliche Gegenstände der Vermissten gefunden – dies ist sowohl eine Spur als auch gleichzeitig ein beunruhigendes Signal für das Ausmaß der Zerstörung.
Die Situation wird durch das Risiko von Erdrutschen erschwert – das heißt, die Rettungskräfte arbeiten in einem Gebiet, das selbst erneut einstürzen kann.
Technologie statt Hoffnung
Am 30. August eininigte sich die ukrainische Botschaft in Indien mit der nepalesischen Seite auf den Zugang zu Geolokalisierungsdaten von Geräten, die die vermissten Ukrainer bei sich hatten. Dies ist ein praktischer Schritt: Falls Telefone oder Tracker ein letztes Signal gespeichert haben, können die Daten das Suchgebiet auf bestimmte Bergabschnitte eingrenzen, anstatt auf Tausende von Quadratkilometern zu suchen.
Die Ursache der Katastrophe waren nach vorläufigen Daten ein Erdbeben und eine Gletscherlawine am Fluss Lendle Hola am 26. August – eine Kombination, die den Rettungskräften wenig Zeit zum Reagieren ließ.
Was kommt als nächstes
Der sechste Tag ohne Veränderungen in der Liste der Vermissten – dies ist ein kritischer Punkt: Je länger eine Person im Berggebiet mit Erdrutschrisiko vermisst wird, desto geringer sind die Chancen auf Rettung und desto wahrscheinlicher wird die Bergung von Leichen. Die Frage, die offen bleibt: Werden die Geodaten der Geräte in den kommenden Tagen konkrete Ergebnisse liefern, oder wird die Suche in ein Stadium übergehen, in dem das Außenministerium den Familien ganz andere Nachrichten mitteilen muss.