Davos: Selenskyj deutete einen „Nackenschlag“ gegen Orbán an — warum das für die EU und die Ukraine wichtig ist

Auf dem WEF hat der Präsident die Kräfte, die europäische Interessen untergraben, ausdrücklich benannt und Orbán als Beispiel angeführt. Wir analysieren, warum das nicht nur Rhetorik ist, sondern eine Frage der Sicherheit, der Energieversorgung und der Innenpolitik der EU.

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Was in Davos passiert ist

Während seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos skizzierte Präsident Wolodymyr Selenskyj scharf das Problem prorussischer Einflüsse in Europa und nannte als Beispiel den ungarischen Ministerpräsidenten. Es war kein emotionaler Ausbruch, sondern ein politisches Signal — dass die Positionen einzelner europäischer Führungspersonen direkten Einfluss auf die Sicherheit und die Einheit des Kontinents haben.

„Wir alle sehen, dass die Kräfte, die versuchen, Europa zu zerstören, keinen einzigen Tag aufgeben... Jeder Viktor, der von Europas Geld lebt und gleichzeitig versucht, europäische Interessen zu verraten, verdient einen Klaps auf den Hinterkopf...“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Orbáns Antwort — kurz und bündig

Viktor Orbán reagierte in dem sozialen Netzwerk X und warf Selenskyj vor, er könne oder wolle angeblich nicht dem Krieg ein Ende setzen, und betonte, dass Ungarn nicht bereit sei, die militärischen Anstrengungen Kiews zu unterstützen. Gleichzeitig versprach Orbán, dass Budapest weiterhin Strom und importierten Treibstoff in die Ukraine liefern und Geflüchtete unterstützen werde.

„Das ukrainische Volk kann sich natürlich — trotz Ihrer sorgfältig ausgewählten Bilder — weiterhin darauf verlassen, dass wir Ihrem Land Strom und Treibstoff liefern werden...“

— Viktor Orbán, Ministerpräsident von Ungarn (Beitrag auf X)

(Redaktionelle Klarstellung: Es geht um importierte Lieferungen und nicht um kostenlose militärische Hilfe).

Warum das für die Leserin, den Leser wichtig ist

Das ist nicht nur ein diplomatischer Streit. Die Haltung Budapests wirkt sich auf drei konkrete Dinge aus, die jede Ukrainerin und jeden Ukrainer sowie jede Europäerin und jeden Europäer betreffen: die politische Einheit der EU (die Fähigkeit, gemeinsame Entscheidungen und Sanktionen zu treffen), die Logistik der Lieferungen (Energie, Treibstoff, humanitäre Unterstützung) und die Innenpolitik der EU‑Länder, in der Sicherheitsfragen oft zum Instrument im Wahlkampf werden.

Westliche Analysten (Financial Times, Brüsseler Expertenzentren) weisen darauf hin, dass solche öffentlichen Konfrontationen zugleich Verbündete mobilisieren und Schwachstellen in Koalitionen offenlegen — insbesondere wenn ein Mitglied des Blocks ein Veto einlegen oder Initiativen blockieren kann.

Wie es weitergehen könnte

Die Rhetorik in Davos machte deutlich: Es geht nicht um Worte, sondern um praktische Maßnahmen. Nun sind die Partner am Zug — von Erklärungen muss auf konkrete politische Entscheidungen und Verfahren umgestellt werden, die entweder die Einheit der EU in der Unterstützung der Ukraine stärken oder Differenzen offenlegen, die Moskau zu nutzen versuchen wird.

Prognose: Wenn die Differenzen nicht diplomatisch und schnell gelöst werden, wird sich das auf die Geschwindigkeit der Lieferungen und auf die Fähigkeit Kiews auswirken, kritische Infrastruktur zu schützen. Können die Partner jedoch ihren Ansatz konsolidieren, werden Signale wie Selenskyjs Auftritt dazu beitragen, Druck auf jene auszuüben, die ihre eigene Politik über die europäische Sicherheit stellen.

Zu bedenken: Wird die öffentliche Kritik in Mechanismen überführt, die äußere Einflüsse auf europäische Entscheidungen minimieren, oder bleibt sie ein Instrument der Innenpolitik einzelner Staaten?

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