Emotionen zurückstellen: Was in Iran passiert ist und warum das wichtig ist
Reuters berichtete, dass die iranischen Behörden am Freitag, den 9. Januar, das Land faktisch vom Internet getrennt haben, um Massenproteste zu unterdrücken. Telefonverbindungen waren eingeschränkt, mindestens sechs Flüge zwischen Dubai und iranischen Städten wurden gestrichen, und lokale Nachrichtenseiten arbeiteten mit Unterbrechungen.
Die Proteste, die Ende Dezember aufgrund des rasanten Anstiegs der Inflation begannen, haben sich zu den größten Unruhen seit mehreren Jahren ausgeweitet: Menschenrechtsorganisationen berichten von bis zu 35 Toten und mehr als 1200 Festnahmen. Das staatliche Fernsehen veröffentlicht Videos von Bränden und Schäden — von Fahrzeugen bis zu Bankfilialen und U-Bahn-Stationen.
"In der vergangenen Nacht kam in Teheran eine Gruppe von Vandalen und Aufständischen und zerstörte ein Gebäude, das dem Staat, dem Volk gehörte, nur um dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu gefallen"
— Ali Chamene‘i, Oberster Führer Irans
Das Regime beschuldigt die Protestierenden, den äußeren Feinden, insbesondere im Interesse von Donald Trump, in die Hände zu spielen. Solche Botschaften erfüllen zwei Funktionen: die Gewalteinsätze vor dem eigenen Publikum zu legitimieren und den Protest als „importiert“ zu delegitimieren. Experten weisen darauf hin, dass das Abschalten des Internets ein gängiges Mittel ist, um die Koordination von Protesten zu stören und die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen zu erschweren.
"Der Blick der ganzen Welt ist auf euch gerichtet. Geht auf die Straßen"
— Reza Pahlavi, Oppositionsfigur im Exil
Vor dem Hintergrund wieder eingeführter internationaler Sanktionen und einer Wirtschaftskrise haben die aktuellen Aktionen einen deutlich sozioökonomischen Charakter. Ein namentlich nicht genannter französischer Diplomat forderte Teheran zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, und die USA sowie andere Akteure verfolgen die Entwicklungen aufmerksam.
Was für die Ukraine wichtig ist: Am 8. Januar rief das ukrainische Außenministerium die Ukrainerinnen und Ukrainer dazu auf, den Iran wegen der Verschlechterung der Sicherheitslage zu verlassen. Netzsperren und Probleme im Flugverkehr erschweren Evakuierungen und konsularische Hilfe — das ist eine direkte Bedrohung für Staatsangehörige im Ausland und eine Herausforderung für diplomatische Dienste.
Analyse und Prognose
Das Abschalten des Internets und die Einschränkung des Flugverkehrs sind kein Zufall, sondern Teil eines Instrumentariums des Regimes zur Kontrolle von Informationen und des Protestraums. Für die Region erhöht das die Risiken einer Destabilisierung und wirkt sich auf humanitäre sowie Handelsketten aus. Für die Ukraine ist es eine Erinnerung an die Verwundbarkeit ihrer Bürger im Ausland und an die Notwendigkeit einer raschen Koordination mit internationalen Partnern.
Weiterhin sollte man die Berichte von Reuters und anderen internationalen Medien, die Reports von Menschenrechtsorganisationen und offizielle Stellungnahmen des Außenministeriums verfolgen. Ob die Welt die Aufmerksamkeit in praktische Unterstützung der iranischen Gesellschaft verwandeln kann — eine Frage, von deren Beantwortung die nächsten Schritte und das Ausmaß der Folgen abhängen werden.