Kiew blockiert direkte Drohnenverkäufe in den Nahen Osten — um Technologie gegen Raketen und Investitionen einzutauschen

Melnyk für LIGA.net: Das Verbot ist nicht Ausdruck von Angst, sondern eine Verhandlungsstrategie. Der Staat fordert „Paketlösungen“: Abfangsysteme im Austausch gegen PAC‑3‑Raketen, Flugzeuge und die Finanzierung der Verteidigungsindustrie.

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Український військовий з дроном-перехоплювачем (Фото: 1020 зенітний ракетно-артилерійський полк ЗСУ)

In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern leise Absprachen

Die Ukraine verbietet Drohnenherstellern den direkten Verkauf in den Nahen Osten nicht als Strafe für die Wirtschaft, sondern als Verhandlungsinstrument. Das sagte Olexij Melnyk, Co‑Leiter der Programme für Außenpolitik und internationale Sicherheit des Razumkov‑Zentrums, gegenüber LIGA.net. Ziel ist es, Vereinbarungen zu treffen, in denen Technologien von Abfang‑UAVs Teil eines umfassenderen Austauschs gegen Bewaffnung und Investitionen werden.

„Die Ukraine verbietet Drohnenherstellern den direkten Verkauf in den Nahen Osten, da der Staat eine umfassende Lösung anstrebt, bei der Technologien von Abfang‑UAVs gegen Bewaffnung und Investitionen getauscht werden.“

— Olexij Melnyk, Co‑Leiter der Programme für Außenpolitik und internationale Sicherheit, Razumkov‑Zentrum

Was Kiew genau fordert und warum das wichtig ist

Kiew strebt an, ukrainische Entwicklungen von Abfangdrohnen gegen konkrete Luftabwehrmittel und Finanzierungen zu tauschen: PAC‑3‑Raketen für Patriot‑Systeme, Flugzeuge, weitere Bewaffnung und Investitionen in den Verteidigungs‑Industriekomplex. Patriot‑Systeme mit PAC‑3‑Raketen sind eines der wenigen Systeme, die ballistische Ziele abschießen können, was direkt für den Schutz unserer Infrastruktur vor Angriffen relevant ist.

Risiken des offenen Exports und wie man sie minimiert

Der Paradoxon ist, dass der Export von Drohnen gleichzeitig Geld bringen und die nationale Sicherheit schwächen kann. Melnyk warnt: Solange der Staat keine klaren Regeln festlegt, können autonome Angebote der Wirtschaft die Lieferungen an die Streitkräfte negativ beeinträchtigen. Deshalb muss der Waffenhandel über entsprechende Lizenzen — SBU, RNBO und die Exportkontrolldienste — und durch eine strikte staatliche Politik erfolgen.

Es gibt auch wirtschaftliche Chancen: Die Golfmonarchien verfügen über erhebliche finanzielle Mittel und haben Interesse am Schutz vor iranischen „Shahed“‑Drohnen. Kiew kann nicht nur einzelne Technologien anbieten, sondern ein ganzes Ökosystem — gemeinsame Produktion, Investitionen in die ukrainische Rüstungsindustrie und Ausbildung. Dafür sind jedoch klare staatliche Regeln nötig, die das Risiko privater Profitgier gegenüber Sicherheitsinteressen minimieren.

Signale vom Markt und internationaler Kontext

In der Branche gibt es bereits konkrete Angebote: Ein ukrainischer Hersteller, Wild Hornets, erklärte seine Bereitschaft, in den Nahen Osten zu liefern „auf staatliche Anfrage“. Gleichzeitig berichten US‑Quellen, dass die US‑Armee Tausende Merops‑Abfangdrohnen in die Region geschickt hat, die im Krieg in der Ukraine erprobt wurden — ein weiterer Marktbaustein, der die Verhandlungslage beeinflusst.

„Bereit, Produkte in den Nahen Osten zu liefern, falls es eine Anfrage des Staates gibt.“

— Wild Hornets, Hersteller von Abfangdrohnen

Was Experten sagen

Analysten weisen darauf hin: Die Risiken eines Nahostkonflikts für die Ukraine überwiegen die Vorteile, daher besteht Kiews Aufgabe darin, Gefahren zu minimieren und das Maximum aus offenen Möglichkeiten herauszuholen. Ein Teil der Expertengemeinde geht davon aus, dass viele Länder der Region im russisch‑ukrainischen Krieg neutral bleiben werden, doch das schließt nicht ihr Interesse am Schutz der eigenen Infrastruktur aus — genau damit lassen sich die ukrainischen Forderungen begründen.

Fazit

Das Verbot direkter Verkäufe ist keine Isolierung der Wirtschaft, sondern ein Einsatz auf die Verhandlungsmacht des Staates: Der Tausch von Technologien gegen Raketen, Flugzeuge und Investitionen kann unsere Verteidigungsfähigkeit erheblich stärken. Entscheidend ist nun, ob diese diplomatischen Hebel in konkrete Lieferungen und Finanzierungen für die Streitkräfte und die Verteidigungsindustrie übersetzt werden. Die Partner sind am Zug.

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