Präsidialamt dementiert „Plan für drei Jahre“: wie eine Falschmeldung über Selenskyj die Verhandlungen beeinflussen kann

Das Zitat eines WSJ-Journalisten über die angebliche Anweisung, sich darauf vorzubereiten, weitere drei Jahre Krieg zu führen, nannte das Präsidialamt einen „dummen Fake“. Wir analysieren, woher diese Version stammt und warum solche Narrative für den Verhandlungsprozess gefährlich sind.

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Ілюстративне фото: Генштаб ЗСУ

Aussagen und Widerlegungen

Was geschehen ist: Am 20. Februar erschien in einer Reihe russischer Telegram‑Kanäle die Behauptung, der Journalist des The Wall Street Journal Боян Панчевський habe die Worte von Präsident Володимир Зеленський zitiert: demnach seien die Verhandlungen gescheitert und man müsse sich darauf einstellen, noch drei Jahre zu kämpfen. Das Präsidialamt wies diese Information kategorisch zurück.

„Was mich am meisten skeptisch stimmt, ist das persönliche Treffen [Zelenskyj] mit seinen engsten Beratern. Dort habe er erklärt, dass die Verhandlungen gescheitert seien und man nun einen Plan für drei weitere Jahre Krieg ausarbeiten müsse. Alle waren schockiert.“

— Боян Панчевський, Journalist des The Wall Street Journal (wie in Telegram zitiert)

„Das ist einfach ein dummer Fake.“

— Дмитро Литвин, Kommunikationsberater des Präsidenten

Литвин fügte hinzu, dass es weder ein solches Gespräch mit den Beratern noch den Auftrag für „noch drei Jahre Krieg“ gegeben habe. Er erinnerte außerdem daran: Die Ukraine rechnet mit einem erneuten Treffen der Verhandlungsdelegationen im Februar, das hänge aber nicht allein von Kiew ab.

Quellen und Kontext

Die Behauptungen verbreiteten sich über Reposts von Telegram‑Kanälen; eine direkte Aufzeichnung des Gesprächs wurde nicht veröffentlicht. Es sind zwei Umstände zu beachten: Erstens ist Panчевський für kritische Beiträge über die Ukraine bekannt und landete nach eigenen Angaben in der Datenbank der nichtstaatlichen Plattform «Миротворець» wegen angeblicher Manipulationen und prorussischer Narrative. Zweitens tauchen ähnliche Geschichten häufig in Zeiten intensiver Verhandlungen auf und haben die Tendenz, die Unsicherheit bei Partnern und in der Gesellschaft zu verstärken.

Zur Erinnerung: Nach der dritten Verhandlungsrunde am 17.–18. Februar erklärte der Präsident, dass es in Genf einen Fortschritt im militärischen Bereich gegeben habe, es aber noch keine Einigung in politischen Fragen gebe. Journalisten (unter anderem Axios, Барак Равід) wiesen auf bestimmte „Sackgassen“ in den Diskussionen hin, während andere Teilnehmer des Verhandlungsprozesses Fortschritte in einer Reihe technischer Fragen verzeichneten.

Warum das wichtig ist

Informationen wie ein „Drei‑Jahres‑Plan“ dienen nicht nur der Desinformation der Öffentlichkeit – sie zielen darauf ab, das Vertrauen zwischen den Verhandlungsparteien zu untergraben und können die Position externer Partner beeinflussen. Wenn hinter dem Lärm tatsächliche Fristen verborgen werden, könnten Partner Entscheidungen auf der Grundlage eines falschen Eindrucks von den Absichten oder der Moral der Führung treffen.

Der Effekt ist folgender: Verstärkte Unsicherheit verringert die Bereitschaft zu riskanten politischen Schritten, verzögert den Prozess und verschafft dem Gegner einen taktischen Vorteil im Informationskrieg.

Fazit

Es ist wichtig, bestätigte Fakten von Zitaten und Gerüchten in Messengern zu trennen. Das Präsidialamt hat das erwähnte Zitat zurückgewiesen, und die offizielle Position Kiews lautet, die Verhandlungen dort fortzusetzen, wo dies möglich ist. Die Erfahrung zeigt, dass Informationsinjektionen oft in den verantwortungsvollsten Momenten der Verhandlungen auftauchen – daher besteht die Aufgabe der ukrainischen Seite und ihrer Partner heute nicht nur darin, den Dialog am Verhandlungstisch zu führen, sondern auch den Einfluss des Informationslärms auf die Verhandlungen zu minimieren.

Ob sich diplomatische Fortschritte in konkrete Vereinbarungen übersetzen lassen, hängt nicht von einem einzigen Zitat im Netz ab, sondern von der Bereitschaft der Parteien, trotz Versuchen der Diskreditierung weiterzuarbeiten.

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