Nach dem Anschlag auf die Lawra – die Schweiz stellt wieder her, nach dem Anschlag auf das AKW Tschornobyl – Frankreich zahlt. Die G7 kündigte Projekte an, aber nicht die Mechanismen

Bei dem Treffen G7-Ukraine in Évian übernahmen die Partner konkrete Verpflichtungen zur Wiederherstellung zweier symbolträchtiger Objekte. Allerdings wurden weder Zeitpläne noch Finanzierungsvolumina öffentlich vereinbart.

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Der Sarkophag des Atomkraftwerks Tschornobyl brannte im Februar 2025 – damals durchschlug eine russische Drohne das Dach des Schutzbogens, bekannt als New Safe Confinement. Das Kiewer Höhlenkloster brannte in der Nacht zum 15. Juni 2026 – ein Treffer beschädigte die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert, eine der ältesten in Osteuropa. Beide Anschläge fanden vor dem G7-Gipfel in Evian statt. Beide haben nun konkrete Wiederaufbau-Sponsoren.

Was Selenskyj ankündigte

Nach Aussage des Präsidenten wird Frankreich die Wiederherstellung des Schutzbogens des Atomkraftwerks Tschornobyl finanzieren, und die Schweiz beteiligt sich an der Restaurierung des Kiewer Höhlenklosters – gemeinsam mit ukrainischen Fachleuten. Diese Vereinbarungen kündigte er nach einer geschlossenen Sitzung im Format G7-Ukraine an.

Bezüglich der Drohnen: Kanada und die Ukraine entwickeln weiterhin die gemeinsame Produktion: Im Mai unterzeichneten die Verteidigungsministerien der beiden Länder eine Vereinbarung zur Gründung des Joint Ventures Airlogix-Sentinel zur Herstellung von Aufklärungsdrohnen auf kanadischem Gebiet. Auf dem G7-Gipfel bestätigte Premierminister Karni, dass «die nächste Phase» dieser Zusammenarbeit «erörtert wird», und kündigte gleichzeitig Sanktionen gegen 162 natürliche und juristische Personen sowie Schiffe aus Russland an.

Tschornobyl: Das Ausmaß entspricht nicht der Summe

Der französische Beitrag zur Wiederherstellung des Sarkophags ist keine Neuigkeit des Gipfels. Bereits im Mai 2025 registrierte die EBWE die erste französische Tranche: 10 Millionen Euro.

«Unser Beitrag von 10 Millionen Euro verdeutlicht die langjährige Unterstützung Frankreichs für die Ukraine. Französische Unternehmen spielten eine Schlüsselrolle beim Bau des NSC, und wir hoffen, dass dieser erste Beitrag – nur drei Monate nach dem Anschlag – zusätzliche Verpflichtungen von Partnerländern auslösen wird».

Pierre Heilbronn, französischer Vertreter, EBWE – Mai 2025

Das Problem liegt im Umfang: Nach Schätzungen der EBWE benötigt die Reparatur mindestens 500 Millionen Euro. Die gesamte vorherige Konstruktion kostete 2,1 Milliarden. Die Unternehmen Bouygues Travaux Publics und VINCI Construction Grands Projets sind bereits bei der Schadensabschätzung und Reparaturarbeiten involviert. Die Wiederherstellung soll bis 2030 abgeschlossen sein.

Das Höhlenkloster: Treffer – zwei Tage vor dem Gipfel

Die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters wurde in der Nacht zum 15. Juni beschädigt – einen Tag vor der Sitzung G7-Ukraine. Die UNESCO verurteilte den Anschlag, Macron nannte die Kathedrale «einen der heiligsten Orte der Orthodoxie» und brachte die Restaurierungsfrage direkt auf dem Gipfel zur Sprache. Die Schweiz, die kein G7-Mitglied ist, aber ein Schlüsselgeber im Bereich des Kulturerbes, übernahm die Beteiligung an der Restaurierung.

Details gibt es keine: Weder Budget noch Zeitplan noch ein konkreter Koordinationsmechanismus mit der UNESCO oder ukrainischen Restauratoren wurden öffentlich bekannt gegeben.

Erklärung oder Verpflichtung?

Nach dem Gipfel in Evian wurden auch andere Vereinbarungen festgehalten: Unterstützung für Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Raketen in der Ukraine, Bildung eines «großen Pakets» zum Schutz des Energiesystems im Winter, Verschärfung von Sanktionen. Nach Angaben von CBC News bestätigte Selenskyj, dass «die Führer die Anfrage um mehr Patriot-Raketen unterstützten und eine Produktionssteigerung durch Lizenzierung diskutierten».

  • Tschornobyl: €10 Mio. von erforderlichen €500 Mio. – bestätigt, Rest in Verhandlungen
  • Höhlenkloster: Schweizer Beteiligung erklärt, Bedingungen nicht offengelegt
  • Drohnen: Joint Venture Airlogix-Sentinel im Mai unterzeichnet, nächste Phase – ohne Datum
  • Patriot: Lizenzen diskutiert, US-Entscheidung nicht gefällt

Das Gemeinsame aller vier Punkte: Die Absichten sind da, der Ausführungsmechanismus – eine offene Frage.

Wenn Frankreich bis Ende 2026 keine internationale Geberkonferenz mit konkreten Verpflichtungen zum Atomkraftwerk Tschornobyl einleitet, wird sich die 500-Millionen-Euro-Lücke in der Finanzierung in ein strukturelles Risiko verwandeln – und dann wird die Frage nicht «wer zahlt», sondern «wer haftet, wenn die Konstruktion weiter zerfällt».

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