Russland hat gezielt Energieanlagen angegriffen, die Atomkraftwerke mit Strom versorgen — Selenskyj zu den Risiken für die Ukraine und Europa

Durch den Raketen‑ und Drohnenangriff am 7. Februar schaltete sich ein Reaktorblock eines Kernkraftwerks automatisch ab, die Stromerzeugung ging zurück, und Schäden an Umspannwerken und Wärmekraftwerken gefährden nicht nur das ukrainische Energiesystem, sondern auch die Sicherheit der Region. Wir analysieren, was passiert ist und welche Schritte jetzt erforderlich sind.

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Kurz

Am 7. Februar richteten sich die russischen Angriffe nicht nur gegen einzelne Ziele — unter den Angriffszielen war auch Infrastruktur, von der direkt der Betrieb ukrainischer Kernkraftwerke abhängt. Die Folgen: reduzierte Stromerzeugung, erhebliche Netzschäden und die automatische Abschaltung eines Reaktorblocks eines AKW. Das ist eine Sicherheitsfrage für die Ukraine und für ganz Europa.

Stellungnahme des Präsidenten

„Die Russen haben gezielt unter anderem Energieanlagen angegriffen, von denen der Betrieb ukrainischer Atomkraftwerke abhängt, und setzen damit nicht nur unsere Sicherheit in der Ukraine, sondern die gemeinsame Sicherheit der Region und Europas aufs Spiel. Das ist ein Niveau von Angriffen, das sich kein Terrorist der Welt erlaubt hat.“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Was technisch passiert ist

Nach Angaben des Energieministeriums und Meldungen der Einsatzkräfte attackierten die Besatzer Umspannwerke, Stromleitungen und Wärmekraftwerke (unter anderem die Burschtynska- und Dobrotwirska-Anlagen). Infolge der Angriffe wurden mehrere Energiekomponenten erheblich beschädigt, wodurch mehrere Atomreaktorblöcke auf verringerte Leistung umgestellt wurden und ein Block sich automatisch abschaltete.

Die Luftstreitkräfte teilten mit: Bei dem Angriff setzte Moskau 408 Drohnen und 39 Raketen ein — den Verteidigern gelang es, 382 Drohnen und 24 Raketen abzufangen. Diese Zahlen veranschaulichen das Ausmaß des Angriffs und die Belastung für Luftabwehrsysteme und Notfallkräfte.

Warum gerade Energie und AKW gezielt sind

Analysten und ukrainische Nachrichtendienste (insbesondere die Mitteilung des GUR vom 17. Januar) warnten vor Szenarien, wonach Russland Angriffe auf Umspannwerke erwägt, die den Betrieb von Kernkraftwerken sichern, um politischen Druck auf Kiew auszuüben. Ziel einer solchen Kampagne ist es, die Widerstandsfähigkeit des Staates zu schwächen, humanitären und technogenen Druck zu erhöhen und Risiken zu schaffen, die über die Gefechte hinausgehen (nukleare und grenzüberschreitende Energiebedrohungen).

Was getan wird und getan werden muss

Präsident und Regierung betonten drei Schwerpunkte: Verstärkung mobiler Feuergruppen und defensiver Maßnahmen zum Schutz der Energieinfrastruktur, Beschleunigung internationaler Hilfspakete für Luftabwehr und Energieversorgungssicherheit sowie die Bereitstellung von Programmen zur Unterstützung betroffener Gemeinden.

Selenskyj forderte die Partner auf, diese Risiken nüchtern zu beurteilen und entsprechend zu handeln — also nicht nur verbal, sondern durch konkrete Lieferungen von Luftabwehrsystemen, Wiederherstellungsgerät und Maßnahmen zur Erhöhung der Energieversorgungssicherheit.

Was das für die Menschen und für Europa bedeutet

Kurzfristig heißt das: mehr Abschaltungen, Belastung der Reservenkapazitäten und Risiken für kritische Einrichtungen. Mittelfristig besteht Bedarf an schneller Lieferung von Geräten, Ersatzteilen und Finanzierung für Wiederaufbau. Für Europa ist das ein Signal: Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine haben grenzüberschreitende Folgen und erfordern koordinierte Hilfe, um eine Eskalation technogener Risiken zu vermeiden.

Fazit

Das war kein zufälliger Angriff — sondern ein Element einer Druckstrategie, die Energieinfrastruktur und das Risiko für nukleare Einrichtungen als Hebel einsetzt. Die Antwort muss systemisch sein: verstärkter Schutz kritischer Infrastruktur, rasche internationale Hilfe für Luftabwehr und Energieversorgungssicherheit sowie diplomatischer Druck auf Moskau. Jetzt sind die Partner gefordert: Erklärungen müssen in konkrete Lieferungen und Maßnahmen umgemünzt werden, die die Risiken für die Ukraine und ganz Europa verringern.

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