Russland zahlt Rekordvergütungen – und rekrutiert dennoch weniger Soldaten, als es verliert

Zum ersten Mal seit Beginn des Vollkrieges konnte der finanzielle Anreiz die Verluste nicht mehr ausgleichen: Im ersten Quartal 2026 rekrutierte Russland etwa 800 Personen pro Tag, während täglich 250–300 Militärangehörige starben und die Frontverluste 30–35 Tausend pro Monat erreichten.

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Російські військові та Володимир Путін (Фото: EPA / VYACHESLAV PROKOFYEV)

Die durchschnittliche regionale Auszahlung für die Unterzeichnung eines Vertrags im März 2026 erreichte einen Rekord von 1,47 Millionen Rubel — und funktionierte trotzdem nicht. Nach Berechnungen des Wirtschaftswissenschaftlers Janis Klüge, der die Budgetausgaben der russischen Regionen analysiert, sank die Rekrutierungsrate auf etwa 800 Personen pro Tag Anfang 2026 im Vergleich zu 1.000–1.200 pro Tag im ersten Quartal 2025. Ein Rückgang von etwa 20%.

Was die Zahlen sagen

Klüge stützt seine Schätzungen nicht auf Aussagen des Kremls, sondern auf Daten des russischen Finanzministeriums: Die Regionen veröffentlichen ihre Ausgaben für Unterzeichnungsprämien, aus denen die Anzahl der neuen Kontraktanten rückwärts berechnet werden kann. Um Verzerrungen auszuschließen, die dadurch entstanden, dass Ende 2025 mehrere Regionen die Boni aufgrund von Budgetdruck vorübergehend kürzten, isolierte er eine Kontrollgruppe — Regionen, die ihre Zahlungen neun Monate lang nicht änderten. Der Trend bestätigte sich auch in dieser Gruppe.

«Es gibt Anzeichen dafür, dass dieser Anreiz nicht mehr wirksam funktioniert und dass Russland anfangen hat, mehr Soldaten zu verlieren, als es rekrutieren kann»

Janis Klüge, Wirtschaftswissenschaftler, Experte für die russische Wirtschaft

Parallel dazu zahlen die Regionen täglich Entschädigungen für 250–300 Gefallene. Die geschätzten Gesamtverluste Russlands an der Front pro Monat liegen nach Analysen westlicher Experten zwischen 30.000 und 35.000 Personen.

Warum das Geld aufgehört hat zu wirken

Die Antwort liegt nicht in der Höhe der Zahlungen, sondern in der Demografie und dem Wettbewerb um Menschen. Der Krieg hat zu der schwersten Arbeitskräftekrise in der Geschichte Russlands geführt: Rüstungsfabriken arbeiten rund um die Uhr an der Kapazitätsgrenze und konkurrieren um dieselbe Kategorie von Männern, die die Armee zu rekrutieren versucht. Hinzu kommen etwa 500.000 Gefallene seit Beginn der Invasion und Hunderttausende von Männern, die nach der Teilmobilisierung 2022 ausgewandert sind.

  • Die offizielle Rekrutierungsrate, die Medwedew am 27. März nannte: 80.000+ Verträge — also ~930 pro Tag.
  • Rekrutierungsrate im Mai 2025 nach offiziellen Daten: ~1.182 pro Tag — der Plan für dieses Jahr wurde somit schneller erfüllt.
  • Anteil der Militärausgaben am Bundeshaushalt im I. Quartal 2026: fast die Hälfte aller Bundesausgaben.

Was kommt als Nächstes

Die Abnutzungsstrategie, auf der der Kreml seit Februar 2022 seine Kalkulation aufgebaut hatte, sah eine einfache Rechnung vor: Verluste werden durch einen Strom von Freiwilligen kompensiert, der ausreicht, um den Druck an der Front aufrechtzuerhalten. Diese Rechnung geht nicht mehr auf. Analysten warnen, dass Putin möglicherweise zu einer neuen erzwungenen Mobilisierung gezwungen sein könnte — mit Einschränkungen für die Ausreise von Männern im wehrfähigen Alter.

Die erste «Teilmobilisierung» von 2022 führte zu Massenabwanderung und bleibt im öffentlichen Diskurs Russlands toxisch. Wenn die Rate der freiwilligen Rekrutierung bis Ende Sommer nicht auf das Niveau von 2025 zurückkehrt, wird die Wahl zwischen erzwungener Mobilisierung und schrittweisem Rückgang der Offensivfähigkeit für den Kreml nicht hypothetisch, sondern praktisch.

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