In der großen Diplomatie — stille Vereinbarungen
Reuters unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle berichtet, dass Russland einen Vorschlag der USA abgelehnt habe, wonach Washington das Kernkraftwerk Saporischschja kontrollieren und den Strom zwischen der Ukraine und Russland verteilen sollte. Diese Frage sei zu einem Schlüsselthema in den Diskussionen über die Sicherheit und die künftige Verwaltung der Anlage geworden.
"Moskau hat den US-Vorschlag abgelehnt, wonach Washington das Kernkraftwerk Saporischschja kontrollieren und den Strom zwischen der Ukraine und Russland verteilen sollte."
— Reuters, namentlich nicht genannte Quelle
Was die USA vorschlugen — und warum Moskau ablehnte
Die Idee war, die Kontrolle über die Anlage vorübergehend unter eine neutrale Intervention der USA zu stellen — mit dem Ziel, die nukleare und operative Sicherheit zu gewährleisten und bei bestimmten Abkommen eine gerechte Verteilung der Energie sicherzustellen. Moskau besteht auf voller Kontrolle und bietet zugleich der Ukraine billigen Strom als Hebel an. Russlands Ablehnung deutet darauf hin, dass das Kernkraftwerk Saporischschja für es nicht nur ein technisches Objekt, sondern auch ein geopolitischer Aktivposten ist.
Die Position Kiews
Für die Ukraine ist entscheidend, das souveräne Recht auf Wartung und Verwaltung der Anlage zu bewahren sowie Sicherheitsgarantien für das Personal und die Bevölkerung der Region. Laut Reuters stieß der Vorschlag einer dreiseitigen Kontrolle — Ukraine, Russland und die USA — in Kiew auf Ablehnung als ungerecht und unakzeptabel angesichts der Besetzung des Territoriums.
"Selenskyj hält die US-Idee, die Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporischschja gleichzeitig der Ukraine, Russland und den USA zu übertragen, für ungerecht."
— Reuters
Folgen und Szenarien
Diese Entscheidung wird mehrere praktische Folgen haben: Erstens erhöht sich das Risiko, Energie als Druckmittel zu nutzen. Zweitens bleibt ohne klare internationale Mechanismen zur Gewährleistung der Sicherheit das Risiko von Zwischenfällen in der Anlage erhöht. Drittens erschweren die Meinungsverschiedenheiten zwischen Kiew und den Partnern über das Verwaltungsmodell des Kernkraftwerks Saporischschja die Umsetzung von Elementen des 20-Punkte-Friedensplans, der in offiziellen Mitteilungen erwähnt wurde.
Fazit
Solange die Diplomatie Optionen prüft, bleibt das Kernkraftwerk Saporischschja nicht nur ein energiewirtschaftlicher Vermögenswert, sondern auch ein politischer Marker. Die Frage ist, ob die Partner die diplomatischen Signale in konkrete Sicherheitsmechanismen und transparente Verwaltungsstrukturen umsetzen, die eine Instrumentalisierung der Anlage in künftigen Abkommen ausschließen.