Ein stiller Mechanismus, der alles verändern könnte
Der ehemalige Außenminister Pavlo Klimkin äußerte in einem Interview für das YouTube‑Projekt LIGA.net eine Vermutung: Wenn der US‑Außenminister Marco Rubio einen deutlichen Erfolg in Bezug auf Kuba erzielt, könnte das zu einem erheblichen Wahlvorteil werden. Das ist nicht nur politische Theorie: Laut Klimkin stützte er sich auf die Ergebnisse dreier aktueller Umfragen, die nach der Operation in Venezuela einen Anstieg der Unterstützung für Donald Trump zeigten.
Was Klimkin konkret sagte
"Wenn er diese Geschichte mit Venezuela durchzieht, wird er eine sehr gute Position haben. Wenn er das kubanische Regime stürzt, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass er der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird."
— Pavlo Klimkin, ehemaliger Außenminister
Der demografische Faktor und reale Politik
Klimkin wies außerdem auf demografische Aspekte hin: etwa 60 Mio. Menschen in den USA sprechen Spanisch. Rubio selbst ist ein US‑Amerikaner kubanischer Herkunft aus Miami; sein ethnischer Hintergrund und seine öffentliche Haltung gegenüber Kuba machen ihn für lateinamerikanische Wähler besonders relevant. Unter diesen Bedingungen können außenpolitische Erfolge sofort in innenpolitisches Kapital umschlagen.
Die Ereignisse in Venezuela als Katalysator
In Klimkins Beitrag wird auch auf die jüngsten Zwischenfälle in Venezuela eingegangen: In der Nacht zum 3. Januar waren in Caracas Explosionen zu hören und Luftfahrzeuge im Einsatz; später wurde berichtet, dass die USA eine Operation durchgeführt hätten. Anschließend gab es Trump‑Aussagen über die Festnahme von Nicolás Maduro und dessen Frau; ihnen wurde Drogenhandel vorgeworfen. Das ist eine Reihe von Aussagen und Ereignissen, die die Erzählung von Entschlossenheit in der Außenpolitik befeuern und denen, die sich als harte Führungspersönlichkeit positionieren, politische Dividenden bringen können.
Was das für die Ukraine bedeutet
Das ist nicht nur für Washington wichtig. Kurzfristig können Änderungen in den wahlpolitischen Präferenzen in den USA das Kräfteverhältnis im Kongress und in der Exekutive beeinflussen und damit Tempo und Charakter der transatlantischen Unterstützung für die Ukraine verändern. Wenn außenpolitische Themen in Schlüsselkreisen der USA dominieren, könnten Partner die Prioritäten der Hilfe neu bewerten. Analysten weisen darauf hin: Ein starkes Mandat für eine "harte" Außenpolitik geht mitunter mit Forderungen nach Umverteilung von Ressourcen und verbindlichen Bedingungen für Hilfe einher.
Kurzes Fazit
Das von Klimkin gezeichnete Szenario ist logisch und basiert auf der Verbindung von demografischen Trends, außenpolitischen Ereignissen und öffentlicher Reaktion. Ob diese Faktoren in einen tatsächlichen Wahlerfolg für Rubio münden, ist eine offene Frage des politischen Prozesses. Für die Ukraine besteht die zentrale Aufgabe darin, nicht emotional zu reagieren, sondern vielfältige Kommunikationskanäle mit den amerikanischen Partnern offen zu halten und Kooperationsszenarien für verschiedene politische Konstellationen in Washington vorzubereiten.