Kurz
Das Staatliche Ermittlungsbüro (DBR) teilte den Abschluss der Ermittlungen gegen den stellvertretenden Kommandeur eines der in der Oblast Sumy stationierten Bataillone mit. Nach Auffassung der Ermittler täuschte der Offizier eine Erschießung vor, schlug Untergebene, schoss einem von ihnen gezielt in den Fuß und befahl, die Verletzung als „Selbstverstümmelung“ zu dokumentieren. Die Anklageschrift wurde bereits an das Gericht übermittelt — dem Beschuldigten drohen bis zu 12 Jahren Haft.
Was passiert ist
Der Vorfall begann, nachdem zwei Soldaten ein Gespräch mit dem Offizier aufgenommen hatten, in dem er bei Nichtbefolgung von Befehlen mit Erschießung drohte. Eine der Aufnahmen wurde in sozialen Netzwerken veröffentlicht — danach, so das DBR, verfolgte der Kommandeur seine Untergebenen gezielt.
Die Ermittlungen stellten mehrere Gewaltvorfälle fest: Der Offizier ordnete die Soldaten an, zog seine Dienstpistole und schoss fünfmal unter die Füße und über die Köpfe, um eine Erschießung vorzutäuschen; er schlug mehrere Kämpfer mit einem Helm (bei einem wurde der Meniskus zerrissen und der Helm deformiert); er befahl, ein Sturmgewehr zu bringen, und erschoss das Telefon, von dem das Video hochgeladen worden war; er schoss einem der Verletzten gezielt in den Fuß. Ein weiterer Vorfall betrifft die Prügel eines anderen stellvertretenden Kommandeurs während eines beruflichen Konflikts.
„Nach Angaben des Staatlichen Ermittlungsbüros täuschte der Offizier eine Erschießung vor, wandte körperliche Gewalt an und versuchte, die Untergebenen zu zwingen, das Video zu löschen und sich öffentlich zu entschuldigen.“
— Staatliches Ermittlungsbüro
Anklage und Folgen
Dem Offizier werden Folter, ein Verstoß gegen die dienstlichen Vorschriften über das Verhältnis zwischen Militärangehörigen und Überschreitung der Amtsbefugnisse vorgeworfen. Derzeit befindet er sich in Untersuchungshaft, und die Unterlagen wurden an das Gericht weitergeleitet. Das Ergebnis des Verfahrens wird zeigen, ob die Kontrollmechanismen wirken und ob die Gesellschaft echte Verantwortlichkeit in den Reihen der Streitkräfte spüren wird.
Kontext: Sind diese Fälle Einzelfälle?
Dieser Fall blieb nicht isoliert in der Berichterstattung: Im Oktober wurde die Entlarvung eines Kommandeurs gemeldet, der Untergebene zu Arbeiten in der Oblast Lwiw (Lemberg) zwang, und im November berichtete man von der Prügel eines Wehrpflichtigen durch einen Oberstleutnant in Prykarpattja mit schweren Folgen. Solche Vorfälle untergraben das Vertrauen in den Führungsstab und lenken von dem Hauptziel ab — der effektiven Verteidigung des Landes.
Analysten und Juristen weisen darauf hin: Während des Krieges müssen Disziplin und Vertrauen zwischen den Menschen Priorität haben. Systemische Probleme bei Motivation, Kontrolle und Rechenschaftspflicht der Kommandeure schaffen Raum für Missbrauch, wenn Institutionen nicht reagieren.
Wie geht es weiter
Fälle wie dieser sind ein Test für das System: Können Militärjustiz und Strafverfolgungsbehörden eine transparente Untersuchung und ein faires Verfahren gewährleisten. Transparente Entscheidungen werden die Disziplin stärken und ein Signal an potenzielle Täter senden: In den Reihen der Armee ist kein Platz für Terror gegenüber Untergebenen.
Offene Frage
Werden diese aufsehenerregenden Fälle in konsequente Reformen der Kontrolle und Rechenschaftspflicht in der Armee münden — oder bleiben sie Einzelfälle? Die Antwort wird bestimmen, wie robust die innere Disziplin sein wird, die für die Verteidigung des Landes erforderlich ist.