Kurz: was getan wurde
Am 8. Februar unterzeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj zwei Erlasse, die die Entscheidungen des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung umsetzen. Nach Angaben des Präsidialamts betrafen die Einschränkungen 66 natürliche und 62 juristische Personen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Lieferketten und Finanzkanäle zu zerschlagen, die die russische Kriegsindustrie und Mechanismen zur Umgehung von Sanktionen unterstützen.
Was in den einzelnen Dekreten steht
Erlass Nr.102/2026 konzentriert sich auf Unternehmen und Personen, die Komponenten für Raketen und Drohnen liefern: auf der Liste stehen 24 natürliche Personen und 27 Firmen. Darunter sind Unternehmen aus Hongkong, eine Niederlassung einer russischen Bank in Shanghai und mehrere chinesische Firmen, über die kritische Komponenten geliefert wurden.
Erlass Nr.103/2026 richtet sich an die Finanzinfrastruktur und diejenigen, die bei der Umgehung von Sanktionen helfen: 42 natürliche und 35 juristische Personen. Neben russischen Staatsangehörigen wurden Akteure aus Kirgisistan, den VAE, Georgien und Panama in die Liste aufgenommen.
Ziel: Krypto-Ökosystem und Mining
Unter den Beschränkten befindet sich das Krypto-Ökosystem der Netzwerkplattform A7 sowie damit verbundene Zahlungsabwickler, Krypto-Börsen und Inhaber von Kryptowährungen. Laut dem Präsidialamt wurden über dieses Netzwerk Lieferungen von Komponenten zur Produktion von Raketen bezahlt.
"In den Sanktionsbereich geriet das Ökosystem des Kryptowährungsnetzwerks A7, über das unter anderem die Lieferung von Komponenten zur Herstellung russischer Raketen bezahlt wird."
— Präsidialamt der Ukraine
Kontext: Angriff und Reaktion
Die Entscheidung folgte auf einen massiven nächtlichen Angriff am 7. Februar, als Russland mehr als 400 Drohnen und fast 40 Marschflugkörper einsetzte und Umspannwerke sowie Wärmekraftwerke in westlichen Regionen traf. Wie der Ministerpräsident mitteilte, waren unter den beschädigten Anlagen Umspannwerke, Freileitungen sowie das Wärmekraftwerk Burschtyn und das Wärmekraftwerk Dobrotwir.
"Unter Beschuss standen Umspannwerke und Freileitungen sowie das Wärmekraftwerk Burschtyn und das Wärmekraftwerk Dobrotwir."
— Denys Schmyhal, Ministerpräsident der Ukraine
Warum das funktionieren kann
Die Logik solcher Sanktionen ist einfach und rational: kritische Komponenten und Finanzströme abzuschneiden verlangsamt die Munitionsproduktion und erhöht die Kosten für die Suche nach Umgehungsmöglichkeiten. Die gleichzeitige Arbeit an Finanz- und Technologiefeldern verstärkt den Effekt: Selbst wenn einzelne Glieder überleben, steigen die Gesamtkosten und das Logistikrisiko für den Aggressor.
Die ukrainische Initiative wird zudem mit Partnern koordiniert: Teile dieser Entscheidungen sollen in das 20. Sanktionspaket der EU aufgenommen werden, das laut Präsidialamt Ende Februar zur Verabschiedung vorbereitet wird. Das bedeutet eine Verschärfung des internationalen Drucks und bessere Durchsetzungsmechanismen für die Beschränkungen.
Wie es weitergeht
Die Wirksamkeit der Sanktionen hängt von zwei Faktoren ab: der zügigen Umsetzung (Einfrieren von Konten, Blockieren von Transaktionen, Schließen von Zugängen) und der internationalen Koordination – insbesondere mit den Jurisdiktionen, über die Umgehungskanäle laufen. Analysten ukrainischer und westlicher Zentren weisen darauf hin, dass kombinierte Maßnahmen auf finanzieller und technologischer Ebene eines der wirkungsvollsten Instrumente der Einflussnahme im Rahmen anhaltender Aggression sind.
Fazit
Diese Erlasse sind keine punktuelle Vergeltung, sondern ein Element einer Strategie: die Ressourcen des Gegners einschränken, seine Logistik erschweren und ihn zwingen, mehr dafür zu bezahlen, Krieg zu führen. Entscheidend ist jetzt, politische Erklärungen in eine dauerhafte Praxis internationaler Zusammenarbeit und technischen Transaktionskontrolls zu verwandeln. Ob dies die Produktionsraten von Raketen und Drohnen deutlich senken kann, hängt von der Geschwindigkeit und Wirksamkeit der Umsetzung der Sanktionen sowie von der Reaktion der Partner ab.