In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Vereinbarungen
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die Durchführung neuer Verhandlungen im trilateralen Format (Ukraine–Russland–USA) durch die Positionen Moskaus und Washingtons in Bezug auf Orte und Sicherheit erschwert wird. Das ist keine Rhetorik – das ist ein praktisches Hindernis, das die Rahmen möglicher Vereinbarungen verschiebt und die Garantien für die Ukraine beeinflusst.
Warum die Verhandlungen sich verzögern
Nach Angaben von LIGA.net und Selenskyjs Kommentaren im Telemarathon sind die Hauptgründe für die Verzögerung folgende: Erstens ist die US-Seite wegen der Eskalation im Nahen Osten bei Auslandsreisen vorsichtig wegen des Sicherheitsaspekts. Zweitens ist Russland bereit, sich in der Türkei oder in Europa zu treffen, besteht aber darauf, keine Treffen in den USA abzuhalten. In der Summe entsteht dadurch der Eindruck, dass die Ukraine gezwungen ist, als diplomatischer Schauplatz und Koordinator aufzutreten, und nicht als betroffene Partei, die die Bedingungen diktiert.
"Wir sprechen täglich mit der amerikanischen Seite. Unsere Verhandlungsgruppe spricht mit ihren jeweiligen Gegenübern. Aber dennoch haben wir diese Schwierigkeit... es entsteht das Gefühl, dass wir Mediatoren in diesem Prozess sind und nicht eine Kriegspartei."
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Positionen der Seiten: kurz
USA: Wegen der mit dem Nahostkonflikt verbundenen Risiken beschränken die USA die Reisen ihrer Vertreter, was ein Format erschwert, in dem eine Schlüsselpartei an einen neutralen Ort kommen müsste.
Russland: ist bereit, an Treffen "überall, aber nur nicht in Amerika" teilzunehmen, so der Präsident, wodurch zusätzliche geografische Bedingungen gestellt werden.
Ukraine: ist offiziell bereit, sich überall zu treffen — in einem neutralen europäischen Land oder in der Türkei — und besteht auf einem dreiseitigen Format zugunsten umfassender Vereinbarungen.
"Nun, klar: Je mehr Ereignisse es in der Welt gibt, desto problematischer wird es für uns."
— Kyrylo Budanov, Leiter des Präsidialamts (Mitglied der ukrainischen Verhandlungsdelegation)
Fakten, die wichtig zu beachten sind
Die letzten Treffen, die öffentlich bekannt sind, fanden am 21.–22. März in den USA mit Beteiligung der ukrainischen und der US-Seite statt, jedoch ohne Vertreter Russlands. Bereits am 24. März stellte Präsident Selenskyj fest, dass es aufgrund der Position Russlands keinen wesentlichen Fortschritt in Richtung Kriegsbeendigung gebe. Analysten weisen außerdem darauf hin, dass sich der Aufmerksamkeitsfokus der Partner durch neue internationale Krisen verschieben könne, was die operativen Chancen auf Vereinbarungen verringere.
Was die Partner sagen
Wie Ukrinform und Medien berichten, bringen US-Politiker öffentlich verschiedene Ansätze zu Sicherheitsgarantien vor. Zum Beispiel betont US-Senator Marco Rubio in Diskussionen, dass Garantien Gegenstand von Vereinbarungen nach Beendigung der Kampfhandlungen sein könnten, und weist Behauptungen zurück, die USA verlangten Zugeständnisse der Ukraine im Donbass im Austausch für Garantien. Diese Debatte wurde auch von Axios ausführlich während der G7-Diskussion behandelt.
Folgen für die Ukraine
Kurz: Die Verzögerung der Verhandlungen bedeutet, dass Fragen von Garantien und politischer Regelung verschoben werden und damit die Ungewissheit verlängert wird. Gleichzeitig besteht auch eine Möglichkeit: Wenn Kiew die Einheit mit westlichen Partnern bewahrt und realistische Formatlösungen erarbeitet (zum Beispiel Verhandlungen in einem neutralen europäischen Land oder in der Türkei), kann dies den Verhandlungsprozess lebendig erhalten.
Fazit
Die Ukraine unternimmt Schritte, damit die Treffen stattfinden — die Position ist klar: bereit sein, sich überall zu treffen. Aber die Entscheidung hängt vom Ausgleich der Sicherheitsrisiken und dem politischen Willen der Partner ab. Nun sind sie am Zug: Ob sie Erklärungen in konkrete Schritte und Sicherheitsmechanismen umsetzen — das ist die Schlüsselfrage für den künftigen Verhandlungsprozess und für jeden Ukrainer.
Quellen: Interview des Präsidenten im Telemarathon, LIGA.net, Ukrinform, Berichte von Axios.