In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Absprachen
Die Verhandlungen in Genf am 17.–18. Februar brachten ein gemischtes Ergebnis: Die Delegation verzeichnet Fortschritte in operativen und humanitären Fragen, aber die zentralen politischen Themen bleiben ungelöst. Davon hängen sowohl die Wahrscheinlichkeit eines Gefangenenaustauschs als auch das Format weiterer Treffen ab.
Was geschah
Nach dem Bericht der Verhandlungsgruppe teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit, dass die Ukraine damit rechne, bereits im Februar eine weitere Verhandlungsrunde zu organisieren, und die Möglichkeit eines Führungsformates erwäge, um die schwierigsten Fragen zu lösen. Die Koordination mit den europäischen Partnern werde fortgesetzt.
„Wir rechnen damit, dass es bereits in Kürze, im Februar, gelingen wird, eine weitere Verhandlungsrunde zu organisieren und dass diese Runde wirklich ergebnisreich sein kann. Die ukrainischen Antworten auf die schwierigsten Fragen sind vor dem nächsten Treffen bereit.”
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Humanitärer Teil: Gefangenenaustausche
Der Präsident betonte die Notwendigkeit, humanitäre Fragen parallel zu Sicherheitsfragen voranzubringen. Die ukrainische Seite hofft auf zügige Austausche von Kriegsgefangenen; dies sei ein praktisches Ergebnis, das das Vertrauen in den Verhandlungsprozess stärkt und unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen hat.
„Das Team muss die Voraussetzungen auch für Fortschritte in humanitären Fragen schaffen. Gefangenenaustausche müssen fortgesetzt werden. Wir erwarten, dass ein Austausch bald möglich sein wird.”
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Quellen und unterschiedliche Einschätzungen
Nach dem ersten Tag der Treffen berichteten einige Teilnehmer (unter anderem Witkoff) von Fortschritten, während Axios von einer Sackgasse wegen der Rolle Dmitri Medinskis schrieb. Nach dem zweitägigen dritten Runden am 17.–18. Februar betonte der Präsident: Auf militärischer Ebene habe es Fortschritte gegeben, auf politischer jedoch nicht.
Das Präsidialamt wies Berichte zurück, denen zufolge es angeblich den Auftrag gegeben habe, sich darauf vorzubereiten, noch drei Jahre zu kämpfen, und bezeichnete diese als Falschinformation.
Was das für die Ukraine bedeutet
Erstens, Gefangenenaustausche sind ein konkretes humanitäres Ergebnis, das ohne endgültige politische Regelung erzielt werden kann. Zweitens, ein Führungsformat hat das Potenzial, festgefahrene Fragen auf der Ebene der Teams voranzubringen; dafür braucht es jedoch koordinierten Druck der Partner und eine klare Position der Ukraine zu den zentralen politischen Punkten.
Kurze Prognose
Die nächsten Wochen werden entscheiden, ob die diplomatische Arbeit in spürbare Ergebnisse münden kann. Wenn westliche Partner den Druck auf den Aggressor erhöhen und das ukrainische Team die vereinbarten Mechanismen zügig umsetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Runde bis Ende Februar. Wenn nicht, wird die Arbeit auf Ebene der Verhandlungsgruppen fortgesetzt und die Fragen werden auf eine höhere, führungsbezogene Ebene gehoben.