Am Sonntagmorgen, als Tausende Athleten die Radetappe der Ironman European Championship in Hamburg absolvierten, verteilte jemand millimetergroße Metallfragmente auf dem Asphalt in der Gegend von Kirchwerder. Das Ergebnis: Zwischen 100 und 150 Teilnehmer mussten anhalten und ihre Reifen direkt am Straßenrand reparieren. Einige erlitten Schnittwunden durch die Metallfragmente.
Was auf der Strecke geschah
Die massiven Reifenpannen konzentrierten sich auf der ersten Runde der Radetappe in einem ganz bestimmten Streckenabschnitt – was jegliche Zufälligkeit ausschließt. Nach Angaben des Fachmagazins Tri-Mag waren die winzigen Metallteilchen auf dem Asphalt praktisch unsichtbar und ließen sich nicht leicht entfernen. Einige Anwohner halfen den Sportlern spontan mit Reparaturwerkzeugen aus.
Gleichzeitig hängten andere Nachbarn an ihren Häusern Plakate mit der Aufschrift „Ihr klaut unsere Freiheit" auf – Zeichen eines längeren Konflikts zwischen den Organisatoren und der Gemeinde Kirchwerder über die jährliche Straßensperrung.
Die Polizei ermittelt gegen mögliche vorsätzliche Sabotage und gefährliche Eingriffe im Straßenverkehr.
Hamburg t-online, mit Bezug auf dpa
Die Profis blieben verschont – und das ist kein Zufall
Ein wichtiges Detail: Das Profi-Feld war nicht betroffen. Die Fragmente erschienen auf der Strecke erst während der Fahrt der Amateur-Altersgruppen-Teilnehmer, die später starten. Entweder wurden sie absichtlich zu einem bestimmten Zeitpunkt verstreut, oder sie wurden bei der technischen Inspektionen vor dem Elite-Start übersehen. Die Hamburger Polizei weigerte sich, Details der Ermittlungen offiziell zu kommentieren.
Das Rennen wurde nicht gestoppt
Die Organisatoren beschlossen, den Wettkampf fortzusetzen – trotz Verletzter und Hunderten von Athleten mit beschädigtem Fahrrad. Kritiker stellen bereits Fragen zu den Sicherheitsprotokollen: Gibt es bei Veranstaltungen dieser Größenordnung einen Mechanismus zur Neutralisierung der Strecke bei bestätigter Gefahr, und wer trägt Verantwortung für die Entscheidung „wir fahren weiter".
- Bis zu 150 Sportler bekamen Reifenpannen und mussten ihre Fahrt unterbrechen (nach Angaben von Tri-Mag); die Polizei bestätigt offiziell mindestens 50 Verletzte
- Die Fragmente konzentrierten sich auf die Gegend von Kirchwerder – ein Bereich aktiven Widerstands von Anwohnern gegen den Ironman
- Trotz massiver Reifenpannen in hohem Tempo wurden keine schweren Stürze registriert
- Die Polizei qualifiziert den Fall als mögliche vorsätzliche Sabotage und gefährlichen Eingriff im Straßenverkehr
Der Ironman Hamburg findet jährlich statt und ist längst zum Spannungspunkt zwischen den Organisatoren und Bewohnern der südlichen Stadtteile geworden. Plakate an Häusern und Metallspäne auf dem Asphalt sind unterschiedlich radikale Antworten auf dieselbe Frustration.
Falls die Ermittlungen Vorsatz von jemandem aus der Anwohnerschaft bestätigen, stellt sich die Frage, ob große Stadttriathlons künftig ohne vollständigen physischen Schutz der gesamten Strecke – nicht nur im Elite-Startbereich – durchgeführt werden können.