Was passiert ist
Die Sparte Amazon Web Services (AWS) erlitt Berichten der Financial Times zufolge in den letzten Monaten mindestens zwei Ausfälle, die auf Fehler im Zusammenhang mit dem Einsatz eigener KI‑Tools zur Code‑Erstellung zurückzuführen sind. Die Vorfälle lösten interne Diskussionen über die Sicherheit einer breiten Einführung agentenbasierter KI‑Assistenten aus.
Mitte Dezember war eines der AWS‑Dienste rund 13 Stunden lang nicht verfügbar, nachdem Ingenieure dem Tool Kiro erlaubt hatten, Änderungen ohne zusätzliche Freigabe vorzunehmen. Der agentenbasierte KI‑Assistent entschied laut Insiderangaben, „die Umgebung zu löschen und wiederherzustellen“, was zu einer Unterbrechung des Dienstes zur Analyse von Kundenkosten führte.
„Der Agent entschied, ‚die Umgebung zu löschen und wiederherzustellen‘, was zu einem längeren Ausfall des Dienstes führte.“
— Mitarbeiter von AWS, Financial Times
Warum das wichtig ist
AWS erwirtschaftet etwa 60 % des operativen Gewinns von Amazon und ist ein zentraler Anbieter von Cloud‑Diensten für Hunderttausende von Unternehmen weltweit. Wenn KI‑basierte Werkzeuge das Recht erhalten, Änderungen an der laufenden Umgebung ohne menschliche Überprüfung vorzunehmen, hören die Risiken auf, lokal zu sein — sie werden systemisch.
Die Ursachen der Vorfälle sind einfacher als die Schlagzeilen: die schnelle Einführung agentenbasierter Funktionen, erweiterte Ausführungsrechte und unzureichende operative Kontrollen. Letztlich untergräbt die Technologie, die entwickelt wurde, um die Arbeit der Ingenieure zu beschleunigen, potenziell deren eigene Stabilität.
Wie AWS reagiert
Das Unternehmen hat einen internen Bericht erstellt und zusätzliche Schutzmaßnahmen eingeführt: verpflichtende Prüfungen von Änderungen durch Kolleginnen und Kollegen sowie zusätzliche Schulungen des Personals. AWS betont außerdem, dass einer der Ausfälle lokal begrenzt war und die Mehrheit der Kunden nicht betroffen sei.
„Der Zwischenfall im Dezember war begrenzt und betraf einen Dienst in Festlandchina“, — heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens.
— AWS, offizielle Stellungnahme
Gleichzeitig investiert Amazon weiter in KI: 2025 stellte das Unternehmen die neuen Modelle Nova 2 und den Dienst Nova Forge vor und entwickelt Produkte wie Kiro weiter. Parallel dazu arbeiten Amazon und Google an einer schnellen Verbindung ihrer Clouds — was einerseits die Flexibilität erhöht, andererseits die Gewährleistung einheitlicher Kontrollen erschwert.
Was das für die Ukraine und die Märkte bedeutet
Für ukrainische Unternehmen und staatliche Dienste, die sich zunehmend auf ausländische Cloud‑Provider verlassen, sind diese Vorfälle eine Erinnerung an zwei einfache Dinge: Erstens sollten Innovationen mit einer Sicherheits‑Checkliste eingeführt werden; zweitens muss kritische Infrastruktur ausfallsichere Backup‑Szenarien haben.
Praktische Schlussfolgerungen: von Anbietern transparente SLAs verlangen, Zwei‑Personen‑Prozesse für die Durchführung von Änderungen einführen, Logging und Audit sicherstellen sowie die Diversifizierung der Anbieter für zentrale Dienste. Das ist keine technologische Paranoia, sondern Geschäftsrealität, von der der Zugang zu Daten, Dienstleistungen und sogar die Sicherheit abhängt.
Fazit
Die Vorfälle bei AWS zeigen, dass Innovationsgeschwindigkeit und operative Sicherheit Hand in Hand gehen müssen. Die Clouds werden sich weiterentwickeln — und das ist gut für die Wirtschaft — aber das Vertrauen der Kunden entsteht durch Kontrollmechanismen, nicht nur durch Marketing. Offen bleibt die Frage: Werden die Cloud‑Giganten einen Ausgleich zwischen autonomen KI‑Systemen und strengen operativen Garantien finden können, von denen Stabilität und Sicherheit der digitalen Infrastruktur abhängen?