Während Samsung und Apple Milliarden in Faltmechanismen für faltbare Smartphones investieren, hat Huawei gezeigt, dass man ein breiteres Bild auch ohne diese bekommen kann. Das Pura X View ist ein gewöhnlicher Monoblock, bei dem einfach die Bildschirmproportionen geändert wurden: Statt der üblichen 19,5:9 oder 20:9 hat es hier 16:9,5 — faktisch ein Format, das dem Breitbild-Video oder sogar den Proportionen eines Notebook-Displays ähnelt.
Das Problem, das alle Hersteller zu lösen versuchen
Moderne Smartphones sind lang und schmal geworden — praktisch, um sie mit einer Hand zu halten, aber unbequem, um Videos ohne schwarze Balken anzuschauen oder Text ohne ständiges Scrollen zu lesen. Faltbare Telefone lösen dies durch das Auseinanderklappen des Bildschirms, fügen aber Gewicht, Dicke und einen anfälligen Mechanismus hinzu — eben jenen, dessen Schwachstelle iFixit kürzlich beim Galaxy Fold 8 entdeckt hat.
Huawei wählte den einfacheren Weg: nicht den Bildschirm auseinanderklappen, sondern ihn von Anfang an breiter machen. Das Display nimmt 96,1% der Vorderseite mit Rahmen von nur 1,05 mm Dicke ein — dies ist das Near-Maximum dessen, was man aus einem einteiligen Gehäuse ohne Faltung herausholen kann.
Was wird für die Breite aufgegeben
Ein breiterer Bildschirm in einem gewöhnlichen Gehäuse bedeutet einen Kompromiss bei der Ergonomie — es wird schwieriger sein, ein solches Smartphone mit einer Hand zu halten und gleichzeitig mit dem Daumen zu tippen, als bei schmalen Modellen. Allerdings kompensiert Huawei dies durch technische Parameter: ein Akku mit 7000 mAh bei einer Gehäusedicke von nur 6,68 mm und einem Gewicht von 201 Gramm — Werte, die noch vor ein paar Jahren für ein so dünnes Gerät unmöglich erschienen wären.
Eine Displayhelligkeit von 6500 Nits geht nicht mehr um komfortables Lesen in Innenräumen, sondern um Lesbarkeit in direktem Sonnenlicht, wo die meisten Flaggschiffe immer noch „erblinden".
Warum das außerhalb Chinas wichtig ist
Das Pura X View läuft auf HarmonyOS — einem Betriebssystem, das separat von Android existiert und bisher faktisch außerhalb des chinesischen Marktes und einiger benachbarter Gebiete nicht verfügbar ist. Das bedeutet, dass die Neuheit in absehbarer Zeit wohl kaum in Europa oder den USA erscheinen wird, und die Bekanntschaft westlicher Nutzer mit dem Format wird sich auf Videos und Rezensionen beschränken.
Aber das Experiment selbst ist wichtig als Signal: Huawei testet die Hypothese, dass nicht alle einen faltbaren Bildschirm brauchen, um „mehr Platz" für Inhalte zu bekommen. Wenn die Idee auf dem chinesischen Markt — wo das Unternehmen die absolute Freiheit hat, ohne Google-Services und andere Einschränkungen zu experimentieren — Fuß fasst, ist es nicht ausgeschlossen, dass ähnliche Proportionen auch in den globalen Modellen anderer Hersteller erscheinen, die die Marktreaktion aufmerksam beobachten.
Der Verkauf startet am 28. August — genau dann wird klar, ob Käufer bereit sind, die gewohnte Ergonomie gegen ein breiteres Bild zu tauschen, oder ob der Markt doch für faltbare Bildschirme stimmt, trotz ihrer Zerbrechlichkeit.