Tragbare Konsolen haben sich in den letzten drei Jahren in einer Dimension gemessen: Wer baut den stärksten Chip in ein handflächengroßes Gehäuse ein. Steam Deck, ROG Ally, Legion Go — alle verfolgten die Leistung und zahlten dafür mit Akkulaufzeit, Gewicht und Preisen von $500 und höher. Die Lenovo Legion C700 bricht diese Logik auf: Der MediaTek Dimensity 7400-Chip ist das Niveau eines durchschnittlichen Smartphones, nicht einer Spielkonsole. Und genau deshalb kostet das Gerät $225.
Eine Konsole, die selbst nichts berechnet
Die Legion C700 spielt keine Spiele — sie zeigt sie an. Das eigentliche Rendering findet auf den Servern von Tencent Start statt, während die Konsole die Rolle eines teuren Monitors mit Joysticks erfüllt: Sie empfängt den Videostrom und sendet Tastendruck zurück an den Server. Dies ist die gleiche Logik wie bei GeForce Now oder Xbox Cloud Gaming, aber zugeschnitten auf einen bestimmten Ökosystem-Dienst.
Daher der Kompromiss, den jeder versteht, der Cloud-Streaming verwendet: Die Bildqualität und das Fehlen von Verzögerungen hängen nicht von der Konsole in der Hand ab, sondern von der Internetgeschwindigkeit und davon, wie nah der Tencent-Server zum Nutzer liegt. In China mit seinem dichten Netz von Rechenzentren funktioniert das. Die Frage ist, ob das gleiche Modell eine Zugfahrt ohne stabiles 4G oder einen beliebigen Ort außerhalb der Infrastruktur übersteht, die Tencent jahrelang speziell für seinen Markt aufgebaut hat.
Wer gewinnt und wer riskiert
Für Lenovo ist dies eine Möglichkeit, mit niedrigen Einstiegskosten in Gaming-Gadgets einzusteigen: Man muss nicht mit AMD oder Qualcomm um Flaggschiff-Chips konkurrieren, man muss den Preis nicht unter dem Druck der Kosten eines leistungsstarken SoC halten. Für den Käufer ist die Rechnung anders — man zahlt $225 für das Gerät, muss dann aber regelmäßig ein Abonnement für den Cloud-Dienst bezahlen, ohne den die Konsole zu einem teuren Tablet mit Joysticks wird.
Dies ist das gleiche Modell wie bei billigen Smart TVs: Das Gerät selbst wird mit minimalem Gewinn verkauft, und das Unternehmen plant, Geld mit dem Service drum herum zu verdienen.
Lenovo hat noch nicht angekündigt, dass die Legion C700 außerhalb Chinas auf den Markt kommt — und das ist logisch: Tencent Start ist an chinesische Infrastruktur gebunden, und eine internationale Expansion würde entweder eine Partnerschaft mit einem anderen Cloud-Anbieter oder erhebliche Investitionen in Server außerhalb Chinas erfordern.
Praktisches Fazit
Wenn sich das Modell durchsetzt, sollte man mit ähnlichen billigen „Cloud"-Konsolen anderer Hersteller rechnen — sie nehmen Unternehmen das größte Risiko des Hardware-Gaming: die schnelle Obsoleszenz von Chips. Eine Frage bleibt offen: Wird sich der durchschnittliche Spieler einverstanden erklären, ein Abonnement zu zahlen, um eigene Spiele auf seinem eigenen Gerät zu spielen, anstatt einmal eine Konsole zu kaufen, die alles selbst berechnet?