Das Einfachste in der Sense-Bank-Affäre ist es, sich über die Höhe der Kaution oder den Namen des Ministers zu empören. Das Wichtigste ist, die Mechanik zu verstehen. Dies war kein Bestechungsgeld für einen Wachmann oder ein vergesslicher Schreiber. Dies war ein Verfahren: Das Zahlungsfiltersystem wurde offiziell und dokumentarisch zu einem vorher abgestimmten Zeitpunkt „zum Service" geschickt. Die Beteiligten kannten den Zeitplan im Voraus und schafften es, das Geld zu überweisen, während die automatische Kontrolle „schlief".
Die Person, die die letzte Barriere hätte sein sollen
Die Leiterin der Abteilung für Finanzüberwachung — eine Position, die genau dazu existiert, um solche Schemata zu stoppen. Ljudmila Snihur war dafür verantwortlich, dass große verdächtige Transaktionen manuelle Genehmigung durch lebende Menschen erhielten und nicht automatisch abliefen. Jetzt untersucht die Ermittlung die Version, dass gerade sie der Knoten sein könnte, durch den die „Fenster" technisch koordiniert wurden.
Die Suspendierung erfolgte nicht auf Initiative der Bank, sondern auf direkte Anweisung der Nationalbank — das ist ein grundlegendes Detail. Die NBU nutzte ihre Befugnis, die „Beseitigung von Mängeln in der Unternehmensführung" zu fordern, erkannte also an: Das Problem liegt nicht in einer Person, sondern im Kontrollsystem der Bank insgesamt.
150 Millionen bar unter Bewachung
Der technische Teil des Schemas sieht für die Bankinfrastruktur fast alltäglich aus: Das Geld wurde in Säcken in ein Devisenzentrum gebracht, dort wurde es zu bargeldlosen Mitteln auf Konten von Scheinfirmen, und von dort ging es dann legal zur Zahlung der Kaution für den früheren Minister. Jede einzelne Etappe ist eine typische „Konvertierung". Das Einzigartige liegt genau darin, dass die Tür dafür nicht von einem gewöhnlichen Mitarbeiter, sondern von der Bankleitung geöffnet wurde: dem Vorstandsvorsitzenden und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats.
Unter normalen Umständen würden Transaktionen mit verdächtigem Geld garantiert blockiert — deshalb war es notwendig, das System nicht zu umgehen, sondern vorübergehend auszuschalten.
Personalwechsel oder Kosmetik?
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Nikolai Hladyschenko wurde bereits entlassen, an seiner Stelle kam ab 24. August der slowakische Banker Peter Novak mit Erfahrung bei Tatra Banka, Raiffeisen Bank International und VUB Banka. Die Logik ist klar: dem Markt und dem Regulierer zeigen, dass die Bankleitung an eine Person ohne toxische Verbindungen übergeht.
Aber die Ernennung eines ausländers in den Aufsichtsrat beantwortet nicht die Hauptfrage: War das Verfahren mit den „Fenstern" eine einmalige Entscheidung von zwei bestimmten Top-Managern oder ein typisches Instrument, das auch früher für andere Kunden genutzt wurde. Wenn sich die NBU auf die Suspendierung der Leiterin der Finanzüberwachung und den Personalwechsel im Aufsichtsrat beschränkt und keinen vollständigen Audit der Transaktionsgeschichte der Bank in den letzten Jahren durchführt — wird die Frage offen bleiben.