Nur eine Dating-App hat die Sicherheitsprüfung bestanden — was das für Soldaten, Freiwillige und Ihre Daten bedeutet

Eine Untersuchung von Nadiyno.org prüfte Boo, Bumble, Kismia, Pure und Tinder anhand von 30 Kriterien. Das Ergebnis — eine Warnung: das Fehlen grundlegender Sicherheitsfunktionen und die massive Datensammlung setzen die Privatsphäre von Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern aufs Spiel, besonders jener, die in der Nähe der Front arbeiten.

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Prüfung: 30 Kriterien — ein «Zuverlässig»

Das Team von Nadiyno.org hat ein umfassendes Audit der fünf beliebtesten Dating‑Apps in der Ukraine veröffentlicht — Boo, Bumble, Kismia, Pure und Tinder. Die Expertinnen und Experten bewerteten den technischen Schutz, die Datenschutzrichtlinien und die Sicherheit der Interaktionen nach 30 Kriterien. Das Ergebnis ist einfach und beunruhigend: nur ein Dienst erhielt die Bewertung „Zuverlässig“.

"Keine der fünf Apps unterstützt grundlegende Kontoschutzfunktionen, insbesondere keine Zwei‑Faktor‑Authentifizierung oder die Möglichkeit, eine Sitzung aus der Ferne zu beenden. Bei drei von ihnen ist das Verbergen des Alters und der Geolokalisierung nur über ein Abonnement verfügbar."

— Das Team von Nadiyno.org, App‑Sicherheitsforscher

Was genau Anlass zur Sorge gibt

Zu den wichtigsten Risiken gehören das Fehlen einer Zwei‑Faktor‑Authentifizierung, die Unmöglichkeit, Sitzungen aus der Ferne zu beenden, sowie kostenpflichtiger Zugang zu Datenschutzfunktionen. In einigen Diensten (Tinder, Bumble, Kismia) ist das Verbergen von Alter oder Geolokalisierung keine Standardoption, sondern ein kostenpflichtiger Dienst. Bei der ukrainischen Kismia kann man die Geolokalisierung de facto „kaufen“. Bumble sammelt laut Studie bis zu 27 Datentypen und gibt 12 davon an Dritte weiter.

Das ist kein abstraktes Problem: Nach Angaben von Rakuten Viber (2025) haben 67 % der Ukrainer:innen ihren Partner online kennengelernt. Wenn Bekanntschaften ins reale Leben übergehen, werden die Risiken zu realen Verlusten an Privatsphäre und Sicherheit.

Warum das gerade für die Ukraine wichtig ist

Daten über Aufenthaltsorte, Gewohnheiten und Fotos können nicht nur für Werbung genutzt werden. Für Soldaten, Freiwillige und Menschen, die in der Nähe der Front arbeiten, stellt ein Datenleck eine direkte physische Bedrohung dar. Die Genauigkeit der Geolokalisierung in Tinder erlaubte früher, eine Person mit einer Genauigkeit von 10–20 Metern zu verfolgen — ein Fall, der verdeutlicht, wie gefährlich technische Schwachstellen sein können.

Außerdem haben nur zwei der fünf Apps (Tinder und Kismia) Sicherheitsanleitungen auf Ukrainisch — das ist in einem Land, in dem Online‑Dating für Millionen zur Alltag geworden ist, eindeutig unzureichend.

Was jetzt zu tun ist

Für Nutzer:innen: Beschränken Sie den Zugriff auf die Geolokalisierung, geben Sie keine genauen Aufenthaltsorte preis, veröffentlichen Sie keine sensiblen Fotos, prüfen Sie die Berechtigungen in den Telefoneinstellungen, verwenden Sie eindeutige Passwörter und Passwortmanager. Wichtig ist auch, auf die Sicherheitsaufforderung zu achten: wenn die App keine 2FA anbietet oder Privatsphäre‑Funktionen kostenpflichtig sind, behandeln Sie sie mit Vorsicht.

Für Entwickler und Regulierungsbehörden: Das Audit zeigte, dass minimale Sicherheitsstandards nötig sind — verpflichtende Zwei‑Faktor‑Authentifizierung, eine Option zum Fernbeenden von Sitzungen, transparente Richtlinien zur Datenweitergabe und Sicherheitsanleitungen auf Ukrainisch. Das ist nicht nur eine technische Frage — es ist eine Frage der nationalen Sicherheit.

Fazit

Dating‑Dienste sind Teil des täglichen Lebens geworden. Wenn 67 % der Begegnungen online beginnen, werden technische Lücken zu systemischen Risiken. Ob das ausreicht, um Entwickler und Regulierungsbehörden dazu zu bewegen, die Standards zu erhöhen — das ist eine Frage, auf deren Antwort wir in nächster Zeit hoffen.

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