Sechs Millionen Abonnenten, zehn Millionen SMS – und endlich erste Daten: Kyivstar erweitert Satellitenverbindung auf Messenger

Kyivstar hat Light Data gestartet – die Übertragung kleiner Datenpakete über Starlink Direct to Cell. Viber, WhatsApp und Google Maps funktionieren jetzt dort, wo es keinen einzigen Sendemast gibt. Allerdings nicht auf allen Smartphones und nicht überall.

27
Teilen:
Starlink Direct to Cell (Фото: Starlink)

Stellen Sie sich vor: ein Dorf an der Front, alle Türme zerstört, aber das Telefon empfängt das Signal „Kyivstar|SpaceX" und sendet eine Nachricht über Viber. Das ist kein Szenario mehr — das ist Light Data, die zweite Phase von Starlink Direct to Cell in der Ukraine.

Was sich geändert hat

Seit November 2025 bot die Direct-to-Cell-Technologie nur SMS. Jetzt hat Kyivstar den Light Data-Modus gestartet — ein spezieller Modus für die Übertragung kleiner Datenmengen, bei dem sich Anwendungen an die Arbeit über einen Satellitenkanal anpassen. Verfügbar sind: Text-, Sprach- und Videonachrichten in Viber und WhatsApp, Fotos, Sticker sowie Google Maps mit Geolokalisierung.

Das Ausmaß der vorherigen Phase ist beeindruckend: Nach Angaben von Kyivstar-CEO Alexander Komarow haben in sechs Monaten 6 Millionen Abonnenten über 10 Millionen SMS über Satellit versendet — über 6 Millionen allein in den Monaten Januar-Februar 2026.

„Kyivstar ist einer der ersten Betreiber in Europa, der den allgemeinen Zugang zu SpaceX-Satellitenkommunikation eröffnet hat"

Pressestelle Kyivstar

Wie das technisch funktioniert

Direct to Cell ist kein separates Gerät, sondern ein Satellit mit eingebautem LTE-Modul, das in den lizenzierten Frequenzbändern des Betreibers arbeitet. Das Smartphone findet das Signal „Kyivstar|SpaceX" von selbst, wenn die terrestrische Abdeckung ausfällt. An Bord jedes Satelliten befindet sich ein vollständiger eNodeB, das gleiche Element der LTE-Architektur, das normalerweise auf einem terrestrischen Mast sitzt.

Einschränkungen, die wichtig zu kennen sind:

  • Light Data für die Datenübertragung ist derzeit nur auf Android mit 4G-Unterstützung (LTE) verfügbar — iOS folgt später
  • Der Satellitenkanal hat eine niedrigere Bandbreite als terrestrische Netze — Streaming und große Dateien werden nicht unterstützt
  • Die Abdeckung erstreckt sich auf die gesamte Ukraine, mit Ausnahme vorübergehend besetzter Gebiete, Grenzgebiete und Zonen aktiver Kampfhandlungen
  • Die Technologie ist ein Backup-Kanal und kein Ersatz für reguläre Mobilfunkdienste

Was kommt als nächstes

Der nächste Schritt nach den Plänen des Unternehmens sind Sprachanrufe und vollständiges mobiles Internet. Dafür müssen technische Probleme gelöst werden, die mit der Bandbreite des Satellitenkanals verbunden sind. Kyivstar erwägt auch Light Data im B2B-Segment — insbesondere die Datenübertragung zwischen Geräten über Satellit für Geschäftskunden.

Parallel baut SpaceX seine Konstellation auf: In den letzten sechs Monaten haben Starlink-Satelliten etwa 150.000 Ausweichmanöver vor Kollisionen durchgeführt — was sich direkt auf die Stabilität des Kanals auswirkt.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Light Data funktioniert — es funktioniert bereits. Die Frage ist, ob die Bandbreite des Satellitenkanals ausreicht, wenn gleichzeitig Millionen von Abonnenten aus Frontzonen darauf zugreifen: Wenn die Last um ein Vielfaches steigt, kann das System auch „leichte" Daten ohne Beeinträchtigung bewältigen?

Weltnachrichten